EFD in den Niederlanden

Hey Leute!!
Mein Name ist Nane und ich will euch gerne etwas über mein wunderbares EFD-Projekt erzählen.
Erstmal kurz etwas über mich: Ich komme aus einem Dorf nahe Wismar in MV. Zu Beginn meines Projektes im Oktober 2015 war ich 18 Jahre alt, hatte gerade mein Abitur in der Tasche und noch keinen Plan über meine berufliche Zukunft. Hauptsächlich deswegen habe ich die Möglichkeit, ein EFD zu machen, in Erwägung gezogen, nämlich um Erfahrungen zu machen, eine neue Sprache zu lernen und mir über meine Zukunft klar zu werden (und natürlich um Spaß zu haben, aber der Grund zog bei meinen Eltern nicht).
Nach sechs Monaten und 40 Bewerbungen weiter war ich nicht mehr so motiviert, einen Platz zu finden, denn 60% meiner Bewerbungen wurde noch nicht einmal beantwortet und beim Rest habe ich nur ein unumwundenes „Nein“ zurückbekommen. Kurz vor der April Deadline habe ich dann ein Projekt im wunderschönen Friesland, der nördlichsten Provinz der Niederlande, entdeckt. Zu meinem Glück war die Bewerbungsfrist noch nicht abgelaufen und ich hatte noch eine Chance!
Aber nach so vielen negativen Rückmeldungen in der Vergangenheit musste ich irgendwas an meinem Motivationsschreiben verändern und habe die ganze Nacht vor der Deadline noch über dem Schreiben gesessen und an Formulierungen gefeilt. Wenn ich mir den Text heute angucke, muss ich wirklich lachen (es war nämlich wirklich spät in der Nacht), doch in diesem Schreiben konnte man meine ungefilterte Persönlichkeit herauslesen und das war es schließlich, was gefallen hat.
Zwei Wochen später hatte ich ein kurzes Gespräch über Skype mit dem Projektleiter und zwei Tage später hatte ich schon meinen EFD-Platz in der Tasche! Nach all den Anstrengungen bin ich durch das Haus getanzt und habe mich an die Vorbereitungen gemacht, um drei Monate später mit Hab und Gut nach Friesland aufzubrechen.
Mein Projekt fand auf dem Lehrbiobauernhof „Hamster Mieden“ statt, auf dem Kindern durch die Versorgung der Tiere Verantwortung beigebracht wird. Die Kinder haben ADHS oder soziale Probleme und können entweder in der Tagespflege oder in der Wochenendpflege aufgenommen werden. Dort können sie die Tiere füttern, spielen, Sachen bauen und sich austoben. Ich wollte von Anfang an etwas in der Natur oder mit der Natur tun, da ich in einem Dorf aufgewachsen bin und Großstädte eher abschreckend finde. Dort bot sich mir die Möglichkeit, in der Natur und mit Tieren zu arbeiten, aber auch zum ersten Mal mit Kindern zu arbeiten. Die Herausforderung hat mich gereizt und ich wollte natürlich auch etwas Neues lernen, doch mir kamen auch Selbstzweifel. Jetzt weiß ich, dass diese Selbstzweifel an jedem Tag und in jeder Woche des Projektes auf einen zukommen, auch, wenn man super Arbeit leistet. Doch mich hat das im Endeffekt nur noch angespornt.
Gelebt und gearbeitet habe ich zusammen mit meiner Mit-EFD-lerin Céline aus Belgien. Es erschien sehr beängstigend, ein Jahr mit einer Person zusammen zu leben, die man vorher noch nie gesehen hat, doch wir verstanden uns gleich ganz gut. Unsere „Wohnung“ war ein Caravan, der mitten auf dem Bauernhof stand. Wir hatten je ein Zimmer, einen kleinen Herd sowie Kühlschrank, ein Wohnzimmer, Heizung und ein Bad mit Dusche. Auf diese kleinen Wohnstandards musste ich mich umstellen und so fielen mir die ersten Wochen schwer. Tatsächlich war es auch echt eine Aufgabe, sich an die Lebensbedingungen auf einem richtigen Bauernhof zu gewöhnen, doch bald schon fühlte ich mich auch dort fast wie zu Hause (auch wenn am Wochenende der Hahn um sechs Uhr morgens kräht).
Doch eine Hürde hatte ich noch: die Sprache. Zum Glück liegt Deutsch nahe zum Niederländischen und es fiel mir leichter, als Französisch in der Schule zu lernen. Aber man muss auch bedenken, dass die Leute in Friesland Friesisch sprechen (und die Friesen sind ganz stolz darauf, dass Friesisch als eigene Sprache anerkannt ist). Also hatten wir jede Woche Niederländisch-Unterricht, auf dem Hof haben wir Englisch gesprochen und die Leute um uns herum haben Friesisch gesprochen. (Nicht zu vergessen unsere Muttersprachen.) Da kann man auch schon mal Kopfweh kriegen! Doch nach und nach wurde mein Holzkopf flexibler und es wurde einfacher, mit den Sprachen zu jonglieren. Zusätzlich habe ich herausgefunden, dass ich eine neue Sprache viel besser lerne, wenn ich sie ohne Rücksicht auf Verluste einfach praktiziere und keine Angst vor Fehlern habe. Mit den Kindern zu üben war das Beste, was ich machen konnte: ich konnte dumme Fragen über Wörter stellen und auch mehrmals nachfragen, bis ich etwas verstanden habe. Bei Erwachsenen habe ich festgestellt, dass sie sehr schnell amüsiert über meine ersten Gehversuche im Niederländischen waren. So war es mir immer peinlich, ein Gespräch zu führen, mit der Angst, dass man sich über mich lustig macht. Doch je mehr man übt, desto besser wird es; es klingt zwar abgedroschen, aber es stimmt: „Übung macht den Meister“.
Im Laufe der ersten Woche hat mein Boss Thom arrangiert, dass ich zur Probe der Brassband im Dorf gehen kann und seitdem war ich Teil der Gesellschaft im Dorf, nicht zu vergessen, dass ich jetzt gezwungen war, auch wirklich Niederländisch zu sprechen.  Diese Zeit hat mir über das Verständnis der Sprache und Kultur in den Niederlanden sehr viel beigebracht und daraus sind auch viele Freundschaften entstanden. Ich gebe euch wirklich einen Tipp: Sucht euch unbedingt eine Freizeitbeschäftigung, die euch Spaß macht und außerhalb eurer Arbeit stattfindet. So kommt ihr mit Einheimischen in Kontakt, lernt die Sprache viel schneller und habt auch noch Spaß dabei. Nichts verbindet mehr als gemeinsame Interessen und Hobbys.
Mit der Zeit habe ich mich auch für die Chöre des Dorfes interessiert und herausgefunden, dass die Gemeinde ein Musical aufführen wollte. Gleich nach Beginn der Proben habe ich mich super willkommen gefühlt und jeder war interessiert, was ich mache und so kam auch Céline zum Chor. Nach ein paar Proben war eine Theaterrolle noch nicht besetzt und so kam ich auch dazu zu schauspielern. Es war schon eine Herausforderung, 16 Lieder mit niederländischem Text und natürlich die Rollentexte auswendig zu können, doch es haben sich sofort mehrere Frauen angeboten, mir damit zu helfen. Somit lernte ich die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Friesen kennen und schätzen. Der ganze Chor entwickelte sich zu einer richtigen Gruppe und wir haben uns regelmäßig getroffen und sind auch mal in die eine oder andere Bar gegangen. Später habe ich bei einer Schauspielkollegin die Kinder gehütet und gemerkt, dass eine tolle Freundschaft mit vielen der Beteiligten im Musical entstanden ist.
Nach einiger Zeit war ich tatsächlich ziemlich in das Dorf integriert und irgendwo hatte jeder schon etwas von den zwei Freiwilligen auf Thom Krols Hof gehört. Selbst der Supermarktleiter wusste schon, wenn ich komme, dass die Briefe ganz sicherlich nach Deutschland gehen, oder dass der Verkäufer im Futterhaus meistens schon die benötigten Säcke für mich bereit gelegt hatte, sie für mich zum Auto brachte, als ich ankam und auf die Farm anschrieb. Ich wurde sogar mehrmals zum Tee bei Bekannten eingeladen und wurde einfach ganz normal behandelt. Nicht selten wurde ich aus dem Auto heraus gegrüßt oder Eltern von den Kindern auf dem Bauernhof erkannten mich aus dem Musical wieder.
Bei solchen Sachen ging mir einfach das Herz auf. Die Tatsache, dass man sich irgendwo Zuhause fühlt, ist doch eigentlich nicht nur von der Herkunft abhängig, sondern davon, dass jemand begrüßt wird, willkommen geheißen wird, genau wie andere Mitglieder der Gemeinschaft behandelt und geschätzt wird. Ohne dass ich es wollte, habe ich mir eine Art zweites Zuhause geschaffen und ich weiß jetzt schon, dass wenigstens ein paar bestimmte Personen traurig über meinen Weggang sein werden und mich vermissen werden.
Im Prinzip ging es im Laufe meines Jahres hauptsächlich darum, mir zu beweisen, dass ich es auch alleine schaffen kann zu leben und trotzdem am Ende nicht alleine dastehe. Aber es ging natürlich auch darum, etwas Neues auszuprobieren, auch wenn es verrückt ist und nicht gleich Nein zu sagen. Sich nicht durch Selbstzweifel in sich zurück zu ziehen und sich trauen, sich auch mal lächerlich zu machen. Am meisten gehört aber Mut dazu. Mut, die Heimat zu verlassen und sich auf die neue Umgebung einzulassen. Mut, seine Familie und Freunde zu verlassen und neue zu finden. Mut, sich aus seiner Komfortzone heraus zu bewegen und mal etwas Neues zu machen. Und Mut, sich sein eigenes Leben zu schaffen und auf den eigenen zwei Beinen zu stehen.
Um diesen Bericht abzuschließen, muss ich wohl ein Resultat daraus ziehen, also macht euch bereit: Diese Jahr war super lustig, lehrreich, anstrengend, schön, interessant, wertvoll, aufschlussreich, abenteuerlich, sportlich, spaßig, abwechslungsreich, reiselustig, schnell vorbei, grün, schwierig und stärkend. Und ich würde es auf jeden Fall nochmal genauso machen.
Ich kann jetzt nur noch sagen: Schnappt euch diese Chance und lasst euch ein tolles Jahr nicht entgehen. Ihr werdet es nicht bereuen! Also wünsche ich euch viel Glück bei der Suche (ich lasse ein paar Links für euch unten da)!
 
Eine Datenbank aller Entsende-/ Koordinations- und Aufnahmeorganisationen des EFD, in der ihr geordnet nach Thema und Land suchen könnt:
http://europa.eu/youth/volunteering/evs-organisation_de
 
Die Website der EU für das EFD, auf der ihr alle wichtigen Randdaten findet:
http://ec.europa.eu/programmes/erasmus-plus/opportunities-for-individuals/young-people/european-voluntary-service_de
Das wichtigste ist erst einmal, dass ihr eine Entsendeorganisation in eurem Heimatland findet (in diesem Falle gehen wir einfach mal von Deutschland aus), mit Hilfe derer ihr ein passendes Projekt findet.
Meine Empfehlung: VjF hat mir in der Projektphase und allgemein rund ums Projekt sehr gut geholfen und die Kommunikation war sehr einfach. Das Pre-Departure-Training war hilfreich und lustig und auf alle Fragen fanden wir eine Antwort. Außerdem ist VjF eine überregionale Entsendeorganisation, was mir sehr half, da in M-V der EFD noch nicht so verbreitet ist. Traut euch einfach!

Groningen
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