„Hands on Nature 2016“ – Nationalpark Thy, Dänemark, 13.08.-27.08.2016

 
15 junge Menschen zwischen 18 und 23 Jahren, 7 verschiedene Nationen (Italien, Spanien, Russland, Japan, Deutschland, Tschechien und Frankreich), 14 Tage lang 24h unter freiem Himmel, Freiwilligenarbeit im National Park Thy – Das ist das Workcamp „Hands on Natur 2016“.
Manche der Teilnehmer machten ihre erste Solo – Auslandsreise, andere sind schon überall in der Welt herumgekommen. Für einige ist es die erste Workcamp-Erfahrung gewesen, andere waren schon erfahrene Workcamper.
An unserem ersten gemeinsamen Tag standen das gegenseitige Kennenlernen und Erkunden der umliegenden Region auf dem Plan. Mit unseren Fahrrädern, welche uns (mehr oder weniger) zuverlässig zu allen Einsatzorten und Aktivitäten bringen sollten, machten wir uns mit der Gegend vertraut. Unsere dänischen Betreuer unseres Projekts zeigten uns die vielfältige Landschaft, die idyllischen Seen und natürlich die Nordsee. Das malerische Örtchen Vorupor, welches direkt an der Küste liegt und die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit bietet, wurde noch Ziel vieler weitere Ausflüge zum Schwimmen, Ausruhen und Erkunden.
Bereits vor dem ersten Arbeitseinsatz wurden wir schon von Journalisten beim Frühstück gefilmt und interviewt. Dass es mein mitgebrachter Brotaufstrich gleich in eine dänische Regionalzeitung schafft, hätte ich zuvor auch nicht erwartet.
Unsere Arbeit bestand hauptsächlich aus dem Entfernen von fremden Spezies aus der Dünenlandschaft, den offenen Gebieten und den Wäldern. Außerdem schnitten wir – bewaffnet mit Astscheren und Sägen – einen zugewucherten Tümpel frei oder brachten einen verdeckten Bachlauf zurück ans Tageslicht. In nur zwei Wochen konnten wir viele unterschiedliche Pflanzenarten und Tiere kennenlernen und einiges darüber erfahren, welche Spezies besonders geschützt werden müssen und wie dieses umgesetzt wird bzw. werden soll. Ein besonderes Highlight war das Mähen mit der Sense. Ein professioneller Sensenmäher führte uns in diese Kunst ein. An zwei Tagen wurden wir in aller Früh geweckt. Das Frühstück fand noch im Mondlicht statt; dann wurden wir zu der Einsatzstelle gebracht. Dort wurde im Morgengrauen das hohe Gras einer kleinen Streuobstwiese mühevoll gemäht. Gar nicht so einfach, mit einer Sense richtig umzugehen! Es kostet viel Geduld, Ausdauer und Hornhaut an den Händen. Aber es macht auch sehr viel Spaß, insbesondere wenn man das Ergebnis danach sieht – das wurde natürlich auch gleich vom lokalen Fernsehsender eindrucksvoll dokumentiert.
Unser Essen bereiteten wir immer zusammen mit unseren dänischen Gruppenleitern zu. Jede Nationalität hatte ihren eigenen Tag und bereitete etwas Landestypisches zu. So konnten wir spanische Patella (?), japanische Miso-Suppe und Ingwerreis, russischen Borschtsch, deutsche Bratkartoffeln, dänische Hotdogs, italienische Pasta, französische Galette und noch vieles mehr probieren und genießen.
Unsere dänischen Betreuer hatten sich einige Aktivitäten und Ausflüge während unserer freien Zeit überlegt. Gleich nach dem ersten Arbeitstag radelten wir an einen See zum Kajakfahren. Unser Workcamp beinhaltet nicht nur sehr viel Spaß, sondern wir durften auch sehr viel lernen, sehen und selbst ausprobieren. Wir machten die unterschiedlichsten Dinge in unsere Freizeit – einmal kam ein Jäger vorbei und erklärte uns seine Verantwortung und Aufgaben im Nationalpark, ein anderes Mal besuchten wir ein Museum über den zweiten Weltkrieg. Wir besuchten ein klassisches Konzert in einer süßen, kleinen Kapelle, wanderten durch die Dünen entlang der alten Rettungsroute und machten einen Stadtbummel in Thisted, der nächstgrößeren Stadt. Wir bekamen eine Führung über alle essbaren Pflanzen im Nationalpark und verarbeiteten unsere Funde zu Marmelade, Kräuterbutter, Pesto und Pilzsoßen. Mein persönliches Highlight war das „Dinner mit den Locals“. Aufgeteilt in kleine Gruppen waren wir bei verschiedenen dänischen Freiwilligen zuhause zum Abendessen eingeladen. Mit offenen Armen wurden wir begrüßt und hatten die einzigartige Chance, einen Einblick in das traditionelle dänische Essen und Leben zu bekommen. Nach nur wenigen Stunden fiel uns der Abschied bereits schwer. Ein weiterer Höhepunkt war der gemeinsame Tag mit Flüchtlingen. Wir trafen uns an einem Einsatzort und arbeiten zusammen. Zum Abschluss grillten wir, aßen iranischen Kebab mit deutschen Bratkartoffeln und arabischem Brot. Bei so vielen verschiedenen Nationalitäten an einem Tisch gab es viel zu erzählen und zu lachen.
Am Ende des Workcamps konnte jeder eine gute Ausdauer zum Radfahren, viel Wissen über die Natur und den Nationalpark, viele neue Rezepte, viele schöne Momente und Erinnerungen und neue Freundschaften aus aller Welt mit nach Hause nehmen. Jeder kann sich mit seinen Interessen, Qualitäten und Stärken einbringen und das Workcamp zu dem formen, was erlebnisreicher, spannender, erfüllender und spaßiger als jede andere Art von Urlaub sein kann.
 
Mira W.