Am einem einsamen Ort mit der Welt verbunden, Mexiko

Sommer 2007

Wir hatten 5 km Strand nur für uns ganz alleine. Na gut, ein paar Tiere waren auch noch da, Kühe, Esel, Pferde, Geckos, hungrige Katzen, Schlangen, Tarantulas und gierige Vögel, die auf unsere Babyschildkröten lauerten. Und natürlich die Bewohner Cololas, die ab und zu mit dem 4Wheeler den Strand abfuhren. Ansonsten nur der Pazifik mit seinen enormen Wellen, die nachts mit ohrenbetäubender Wucht die Erde zum Zittern brachten und dabei in der Dunkelheit kleine Phosphoreszens-Feuerwerke verursachten.
Wir waren eine Gruppe von 15 Leuten aus Kanada, den USA, Frankreich, Finnland, Japan und Deutschland. Alle waren total nett und wir hatten viel Spaß miteinander. Der Essens- und Putzplan wurde ohne Schwierigkeiten gemacht und eingehalten. Auch das Einkaufen- Fahren ins 2h Stunden entfernte Tecomán wurde von Freiwilligen erledigt.
Gearbeitet wurde immer von ca. 9 Uhr abends bis 4 Uhr nachts zusammen mit einer Gruppe von Mexikanern, die wöchentlich wechselte. Die Arbeitsgruppen wurden jeden Tag neu eingeteilt, denn es gab verschiedene Bereiche: Am Strand Schildkröten suchen und wenn sie ihre Eier legten, diese wieder auszubuddeln und zu zählen. Leider war die Saison schon vorangeschritten, so dass pro Strandabschnitt nur ca.2-6 dieser riesigen Tiere zu finden waren. Die andere Aufgabe bestand darin, mit dem Fourwheeler den Strand hoch und runter zu fahren und die Eier, die die anderen gesammelt hatten, abzuholen und an sicherer Stelle wieder einzugraben und zu beschriften. Die dritte Arbeitsstelle, mit Sicherheit die beliebteste, war bei den „Crias", d.h. im Gehege, wo die Eier eingegraben wurden und aber auch die Babyschildkröten schlüpften. Dann wurde für die Statistik notiert, wie viele pro Nest geschlüpft waren, welcher Spezies sie angehören, das Datum und die Uhrzeit. Zum Schluss wurden sie im Meer freigelassen.
In jeder Gruppe waren auch immer 1-2 Leute aus Colola, die von der Arbeit mit den Schildkröten und ihrer Situation allgemein erzählten. Manche konnten auch Nahual, eine alte indigene Sprache, sprechen. Ein paar Worte habe ich gelernt. Es war sehr interessant, zu sehen, was für eine Wirkung der Besuch von Workcampern auf die dortige Bevölkerung hat. Einerseits sind sie sehr interessiert daran, Neues kennenzulernen und wollen den Fortschritt, wie z.B. Internet. Andererseits waren sie auch wieder stolz auf ihr einfaches Leben und die Naturverbundenheit.
Die Freizeitgestaltung fiel etwas mau aus, was aber ok war, denn der Strand bot schon genug Unterhaltung und wenn es auch eine der Hängematten war, die zum Relaxen und Buch lesen einluden. Sonstige Aktivitäten waren: Englischunterricht für interessierte Mexikaner, schwimmen gehen am Nachbarstrand, frische Kokosmilch schlürfen und aus den Schalen Schildkröten schnitzen, Yoga im Sonnenuntergang und Lagerfeuer mit Gitarren- und Melodikamusik.
Alles in allem war die Zeit am Strand von Colola die beste meines 6wöchigen Mexikoaufenthaltes. Man muss sich bewusst sein, dass es keinen Luxus gibt, wie z.B. eine Dusche mit fließendem Wasser und elektrisches Licht. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann kann man nicht anders als das Leben dort einfach nur zu genießen. Irgendwann werde ich bestimmt zurückkehren!

Carolyn