Fai Farm, Frankreich

Sommer 2010

3 Wochen Frankreich, 3 Wochen auf der Fai Farm - eine Zeit voll Erfahrungen, unvergesslicher Momente, Freundschaften.
Der Kopf scheint zu explodieren, so viele Eindrücke- kultureller, landschaftlicher und menschlicher Art -strömen die ersten Tage auf einen ein. Bei der Ankunft in dem vielleicht hundert Einwohner Dörfchen „Le Saix" ist es vor allem die Gebirgslandschaft der Alpen, die einem den Atem nimmt (gerade für Menschen aus dem norddeutschen Flachlandraum ein immenses Gefühl auf einem Berg zu stehen und hunderte Meter in die Tiefe zu blicken...)
Doch das Endziel ist noch nicht erreicht. Weiter geht es in halsbrecherischer Tour noch knappe zwanzig Minuten auf 1600m Höhe, wo sonst nur vereinzelte Wanderer ihren Fuß hinsetzten. Endpunkt, bitte aussteigen: Willkommen auf der Fai Farm!
Einem auf den ersten Blick sehr einsamen Ort, wo selbst Schmetterlinge zahm sind und sich unbekümmert auf einem niederlassen. Wegzukommen ist hier nicht leicht, höchstens zu Fuß und im Dorf dann per Anhalter. Das einzige Auto der Farm wird aus umweltbewussten Gründen nur zum einkaufen, selten außer der Reihe, gebraucht.

Morgens heißt es um 7h aufstehen- zugegeben: nur am ersten Morgen -verhexterweise wird dieses schlaftrunkene aus dem Zelt Taumeln von Tag zu Tag später, bis es am Ende der drei Wochen heißt: Verdammt, es ist kurz vor acht, nur noch 5 Minuten bis die Arbeit anfängt....

Ja, die Arbeit...am Anfang wussten wir noch gar nicht was uns genau erwarten würde. Ein Musikfestival sei vorzubereiten, hieß es in der Infobroschüre...
Im Endeffekt haben wir vormittags eine Freilichtbühne gebaut, dadurch ganz nebenbei einige handwerkliche Tricks gelernt, und nachmittags mit einer Künstlerin der Region „Landart" zum Thema Meer gestaltet, um das Festivalgelände zu dekorieren.
Ein dadurch sehr abwechslungsreiches Programm, auch wenn wir am Ende die von uns aus Ästen, Zweigen und Blättern gebauten „jellyfish" nicht mehr sehen konnten...
Wir haben in den knapp sieben Stunden Arbeit pro Tag Unmengen Wasser konsumiert, in der Sonne geschwitzt, nebenbei zur Motivation Lieder auf sämtlichen Sprachen gelernt, und am Ende des Tages doch (meistens) das Gefühl gehabt, etwas geschafft zu haben.

Nach der Arbeit war es das Schönste, in den nahe gelegenen Bergbach zu springen und nur für Sekunden das eiskalte Wasser am ganzen Körper zu spüren.
Das Essen danach war auch einer der Höhepunkte des Tages- comme on dit: la cuisine francaise est la mieux- so gab es immer einen Salat und Dessert zusätzlich zum Hauptgericht, das im Wechsel von uns Freiwilligen zubereitet wurde.

Aber nach den drei Wochen ist es nicht unbedingt die Arbeit, die am längsten im Gedächtnis bleibt.
Es sind die gemeinsamen Abende, die Gruppenaktivitäten wie das Treffen mit 200 anderen Freiwilligen der Region, die Bergwanderung mit unbeschreiblicher Aussicht, der Ausflug zur Tour der France und natürlich das Musikfestival selbst (wobei es dabei durchaus von Vorteil war, neben dem Englischen, der eigentlichen Campsprache, Französisch zu beherrschen).

So war es faszinierend zu beobachten, wie am Ende aus den vielen einzelnen, bunt zusammen gewürfelten Menschen eine zusammenhaltende Gruppe, die „Fai-family", wurde.
Und es beschreibt wohl nur zu gut die geniale Atmosphäre, wenn ich am Ende sagen kann:
Es wird sicherlich nicht mein letztes Workcamp gewesen sein!

Lea