Too Much Rain Over Paradise, Frankreich

02.07.-16.07.2008

Belle Île war konkurrenzlos der Höhepunkt dieses Jahres nach einer aufreibenden Klausurenzeit. Eine Insel südlich der Bretagne? Dabei hat doch bereits das westliche Festland Frankreichs den Ruf weg, verregnet und diesig zu sein. Doch die Beschreibung„für Naturliebhaber reizte mich, auf in ein neues Abenteuer!

Über Paris ging es für mich mit dem Zug nach Quiberon und anschließend aufs Schiff. Wir waren 16, eine Horde Freiwilliger bunt zusammengewürfelt aus Europa und dem Rest der Welt. Bereit und voller Tatendrang, nur unsere Aufgabe kannten wir noch nicht. Das sollte sich bald ändern.

Im Camp angekommen bezogen wir unsere Zelte und erforschten die Gegend: Eine Insel wie man sie sich vorstellt! Nicht ganz wie Robinson Crusoe, der auf der Suche nach Freitag Schildkröten erlegt und sein eigenes Brot bäckt. Aber doch eher ein Leben mit der Natur, mit Regen, Sonnenschein und Wind.

Einen historischen Pferdepfad galt es freizulegen. Nach vielen Jahren hat die Vegetation die Oberhand über diesen Weg gewonnen. Nun hieß es anpacken, mit Machete, Sense, Axt, Säge und Vorschlaghammer. Nach wochenlangem Büffeln für Prüfungen war diese körperliche Arbeit genau das richtige Rehabilitationsprogramm. Zusammen schlugen wir Schneisen ins Dickicht, lichteten das Unterholz und fällten Bäume. Über einen sumpfigen Weiher wurde eine Brücke von 15 Metern Länge konstruiert. Die Hänge wurden befestigt, manchmal Treppen gebaut. Unser Wasserverbrauch bei strahlendem Sonnenschein zur Mittagszeit war enorm!

Doch auch die Zeiten zum Entspannen sollten nicht zu kurz kommen! Sei es gemeinsam Boule zu spielen, im Kleinbus entlegene Traumstrände anzusteuern und ins kühle Nass zu springen oder auch nur eine Abendwanderung entlang der Felsküste zu machen. Oft saßen wir abends noch lange bei Cidre zusammen, philosophierten auf französisch oder auch englisch über Gott und die Welt und fielen schlussendlich müde, aber glücklich, in unseren Schlafsack im Zelt.…

Leider machten uns Gewitterschauer einen Strich durch die Rechnung, als wir nachts am Strand unterm Sternenhimmel schlafen wollten. Doch über zu wenig Sommersonne kann ich mich überhaupt nicht beklagen: Arbeit und Strand ließen meine Haut schon nach wenigen Tagen ordentlich braun werden.

Unbedingt muss ich noch den Französischen Nationalfeiertag erwähnen! An unserem letzten Wochenende herrschte Ausnahmezustand auf der Insel. Ein riesiges Feuerwerk und eine beeindruckende Feier bildeten den krönenden Abschluss dieser beiden Wochen. Bis tief in die Nacht feierten wir ausgelassen und tanzten mit den Bewohnern und den Touristen auf den Straßen von Le Palais.

Doch auch diese schöne Zeit fand sein Ende, es hieß Abschied nehmen. Dem Paradies auf Wiedersehen sagen, und doch frohen Mutes nach vorne zu schauen. Fünf Freunde aus meinem letzten Workcamp in den Niederlanden habe ich dieses Jahr in Paris, Prag, Lissabon, Valencia und Sevilla besucht. Somit bleiben neben schönen Erinnerungen auch Freunde und Kontakte in aller Herren Länder.

Jan                                                           

 

25.06.-14.07.2007

Sieben Jahre Französisch an der Schule waren weg. Alles vergessen. Zumindest hatte ich genau diesen Eindruck, als ich inmitten meines FSJ in Buenos Aires (2006/2007), versucht habe, ein paar Sätze auf Französisch zu bilden. Ein wenig deprimiert überlegte ich also eines Sommertages im Dezember - noch war ich ja auf der anderen Seite der Erdhalbkugel - wie ich wieder an mein Französisch-Wissen rankommen könnte.

Und nein, einen teuren Sprachkurs konnte ich mir nicht leisten. Was ich plante, waren zwei Workcamps im Sommer 2007 in Frankreich. Beide dauerten drei Wochen, aber das war dann auch schon das einzige, was sie gemeinsam hatten.

Das erste Workcamp fand im Süden von Frankreich statt, im 3000 Seelen-Dorf Montendre, von denen ich aber höchstens 20 (sehr alte) Seelen gesehen habe und ein paar Hunde. Glücklicherweise gab es dann ja aber noch das Workcamp mit Jugendlichen aus allen Herren Ländern; Vika aus Litauen, Jovana aus Mexiko, Young Wan aus Südkorea und so weiter. Jedoch war der groβe Unterschied zu einem üblichem Camp die Tatsache, dass es sich hierbei um ein "Open Workcamp" gehandelt hat - man konnte dem Workcamp-Team beitreten und es wieder verlassen, wann man wollte. Drei Wochen blieb ich dann dort und erlebte, seien wir ehrlich, nicht wirklich viel. Ausnahmen waren: Wochendsausflüge nach Bordeaux (eine wirkliche nette Stadt) und ein Musik-Festival in Montendre am Ende der drei Wochen, welches viele Jugendliche aus dem Süden Frankreichs anlockte. Und naja, natürlich wurde Französisch gelernt, was ja eigentlich der Sinn der Sache war - und gearbeitet. Hauptsächlich wurde an einem Loch gegraben. Später einmal sollte aus diesem Loch ein Regenwassertank werden und dem "Jugendzentrum", wo wir wohnten, zu Gute kommen. Nach drei Wochen dieser zwar anstrengenden, aber auch lustigen Arbeit, fuhr ich dann mit einem Zug zum anderen Workcamp. Aus dem kleinen französischen Dorf im Süden Frankreichs steuerte ich eine Weltmetropole an. Mein nächstes Workcamp fand in Paris statt.

Der Sinn dieses in Sèvres gelegenen Workcamps (etwa 10 km Entfernung zum Zentrum von Paris) war das Errichten eines Gartens samt Mauer. Es sollte der Stadt, aber vor allen Dingen auch den Kindern des Jugendzentrums zu Gute kommen, welches uns tatkräftig unterstützte. Motiviert waren wir also alle - d.h. Spanier, Russen, Südkoreaner, Serben, Armenier, Ukrainer und Deutsche. Es war wirklich ein bunter Mix und wir verstanden uns auch alle super. So super, dass ich auch gleich zusammen mit einer Russin war, aber das ist eine andere Geschichte... Natürlich sind wir alle zusammen so oft wie möglich nach Paris gefahren und waren entweder tanzend in Diskos oder ganz brav und kunstinteressiert im Louvre. Oder wir gingen hoch bis zur Kirche Sacré-Cœur, setzten uns auf die Stufen und genossen von dort aus den Ausblick auf ein sommerliches Paris. Diese Stadt ist wirklich wunderbar. Das Lernen der französischen Sprache jedoch förderte sie nicht unbedingt - aufgrund von zu wenig Zeit, weil man soviel erlebte.

Dennoch, ich habe mein Ziel erreicht und kann jetzt sogar wieder ein bisschen mehr als ein paar Sätze auf Französisch bilden. Aber ist das das Wichtigste gewesen? Natürlich nicht. In beiden Workcamps konnte ich eine Menge Erfahrungen sammeln und werde diese Zeit bestimmt nicht vergessen. Vive la France!

René