Workcamp „Show your Talent“ in Mardin, Türkei

Sommer 2010

Ich bin die Alice, 19 Jahre alt, und habe direkt nach dem Abitur an dem o.g. Workcamp sowie an dem von der türkischen Organisation „Genctur" angebotenen Pre-Camp teilgenommen. Zuerst habe ich einige sehr spannende Sightseeing-Tage in Istanbul verbracht, wo ich schon einmal die anderen Teilnehmer näher kennenlernen konnte. Dann sind wir gemeinsam mit einem großen Reisebus 24 Stunden lang durch die Türkei gefahren, bis wir an der syrischen Grenze in Mardin ankamen.

Das Jugendzentrum dort wurde von 20 bis 30-jährigen Kurden geleitet, und wir übernachteten in Zimmern einer ehemaligen Knabenschule um die Ecke. Das Workcamp verbrachten wir vormittags mit Englischstunden, die wir immer am Abend vorher vorbereiteten, sowie mit Kunst/Musik/Theater etc. Workshops am Nachmittag. Diese waren alle kostenlos für die Kinder und Jugendlichen aus Mardin, und so hatten wir jeden Tag ein paar neue Gesichter vor uns, aber auch einige, die begeistert jeden Tag teilnahmen, und vor allem ihre neu erworbenen Englischkenntnisse danach an uns erprobten. Verpflegt wurden wir reichlich in der Kantine des Jugendzentrums, das auch gleichzeitig als Restaurant geführt wurde. Meine Campleiterin war eine sehr verantwortungsbewusste Türkin aus Istanbul, und überhaupt war unsere Gruppe sehr ausgeglichen, ich habe mich ausnahmslos mit allen super verstanden.
Wir fuhren einmal an einem Sonntag in ein nahegelegenes, sehr armes Viertel, wo wir gemeinsam mit den einheimischen Freiwilligen eine Schule renovierten (putzen, streichen...). Auch besuchten wir den Gouverneur von Mardin, sowie an unserem freien Tag die steinalten Sehenswürdigkeiten rund um Mardin.
Eindrücke wie diese Schule, welche aus nur einem Klassenraum für alle Altersstufen bestand, perspektivenlose Kinder, die auf die Frage, was sie einmal werden wollen, keine Antwort wissen, oder auch kurdische Gleichaltrige, die das sog. „Kurdenproblem" sowie das radikale Ausleben des Islams sehr kritisch sehen, haben tiefe Eindrücke bei mir hinterlassen. Ich konnte mir durch Gespräche mit den Einheimischen mein ganz eigenes Bild von der Situation der Kurden in der Türkei bzw. in Syrien machen. Ich glaube auch, dass ich seit diesem Workcamp anders auf Türken (bzw. Ausländer allgemein) in Deutschland zugehe und ein großes Stück an Toleranz und Unvoreingenommenheit gelernt habe.
Der Tag der Rückreise fiel mir sehr schwer, ich wäre gern noch länger geblieben. Zu Hause habe ich bestimmt zwei Wochen lang nur türkische und kurdische Musik gehört, mir andauernd türkischen Kaffee gemacht und konnte mich gar nicht von dieser tollen Erfahrung losreißen. Auch habe ich gleich nach weiteren Workcamps gesucht, und werde mit Sicherheit, sobald es mir möglich ist, am nächsten Workcamp teilnehmen. Ich kann ganz frei sagen, dass diese drei Wochen die beste Erfahrung meines Lebens waren!!