Workcamp Bratislava, Slowakische Republik

Sommer 2007

Schon das dritte Workcamp, und keins war wie das andere! Ich glaube aus jetziger Sicht sogar, dass sich jedes in Qualität und Spaß noch gesteigert hat...
Im letzten Sommer war ich in Bratislava. Dort haben sich ursprünglich 13 Menschen aus der Ukraine, Serbien, Kroatien, den Niederlanden, Belgien, Kanada, der Slowakei, Frankreich, Spanien und Deutschland getroffen, um 2 Wochen zusammen an einer Ausgrabung mitzuhelfen. Dabei sollten wir eigentlich einen historischen Weg auf einem Berg mitten in der Stadt freilegen, durch einen Zufall haben wir aber etwas viel Interessanteres gefunden. Und zwar einen Boden von einer Kirche, die alle für komplett zerstört gehalten haben. Dieser große Erfolg hat uns noch schneller als Gruppe zusammenwachsen lassen.
Wir haben in einer Turnhalle gewohnt, hatten Budgetgeld, um uns Essen zu kaufen und haben in diesen 2 Wochen viel miteinander unternommen. Aus westeuropäischer Sicht ist es immer sehr angenehm, in der Slowakei einkaufen zu gehen, da Lebensmittel billiger sind, als man es hier in Deutschland gewohnt ist. So hat es an Essen nie gemangelt.
Der letzte Sommer in Süd-Ost Europa war nur extrem heiß, deshalb hatten wir mit über 40°C am Tag zu kämpfen, dafür war es auch nachts um 1 Uhr sehr angenehm, bei 27°C mit Wein, Bier und Pizza an der Donau lang zu laufen und einfach zu quatschen. Freitags waren wir auch immer Inlineskaten, weil es in Bratislava den ganzen Sommer eine Art Skateaktion gab. Davon hätten wir wohl nichts mitbekommen, wenn uns unsere Campleitung nicht so viele Angebote unterbreitet hätte, welche die Stadt alle so bot.
Mit der Zeit sind wir uns so nah gekommen, dass wir nur noch rumalbern konnten. So haben sich schnell Insiderwitze gegeben, die uns durch das ganze Camp begleiteten. Dennoch hat es meinen Horizont stark erweitert, zum Beispiel hatten wir intensive Debatten historischer Art, weil es zwischen den Serbinnen und einer Kroatin massive Spannungen gab. Dies führte sogar soweit, dass die Kroatin den Serbinnen Mitschuld an einem Krieg gab, der schon seit 15 Jahren vorbei ist. Unter dem angesprochenem Krieg, von Milosevic geleitet, leidet die kroatische Bevölkerung immer noch sehr stark. Das sind historische Ereignisse, von denen ich sehr wenig wusste. Als ich damals in so einem Streitgespräch eine Verständnisfrage stellte, wurde mir sofort an den Kopf geworfen: " der Westen hat sich doch noch nie für uns interessiert". Das macht einen schon stutzig, denn ich bin nicht "der Westen", ich komme sogar aus Cottbus...aber auf der anderen Seite kann ich Wut, die da noch in den Köpfen steckt, schon auch verstehen. Jedoch standen solche Diskussionen nicht im Vordergrund der 2 Wochen, aber es hat bei mir schon veranlasst, dass ich mich im Nachhinein zu Hause intensiv mit einem Stück europäischer Geschichte beschäftigt habe...eigentlich finde ich es schon verwunderlich, dass ich in der Schule nie etwas von der Auflösung Jugoslawiens mitbekommen habe.
Wir haben in nur 2 Wochen sehr viel von der Stadt gesehen, haben viel gelacht, viel gequatscht und erfolgreich gearbeitet. Der Moment der Verabschiedung fiel natürlich dementsprechend schwer und oft hab ich mir in dieser Zeit gewünscht, dass wir nicht auseinander gehen müssen....das war aber unaufhaltsam.
Festzuhalten ist jedoch, dass diese Zeit nicht ganz vorbei ist. Wir sind durch das Internet sehr stark verbunden, sind alle Mitglied bei Facebook und msn, und dass Europa zwischen uns steht, merke ich manchmal gar nicht. Jana, aus Bratislava steht mir dennoch so nahe, wie nur eine Hand voll meiner besten Freunde, mit denen ich täglich zur Schule gehe.
Und auch Silvester werde ich mit 3 Leuten aus dem Workcamp in Berlin verbringen.
...Eine verdammt schöne Zeit!!

Marij