Workcampbericht Casa Padre Damian Salamanca, Spanien

Sommer 2010

„Meine Eltern haben mich nicht erzogen. Das Einzige was sie mir beigebracht haben, ist Kokain abzuwiegen." Diese Aussage einer 19-jährigen Bewohnerin der Casa Padre Damian in Salamanca war eine von vielen, die mich dazu gebracht haben, mein Bild von Obdachlosen, Dealern und Kriminellen etwas zu überdenken. Bevor ich in das Zentrum der Caritas kam, hatte ich wenig mit dieser Gruppe von Menschen zu tun und hatte ein recht diffuses Bild von Menschen ohne Zuhause. Gleichzeitig war mir etwas mulmig bei dem Gedanken an das Workcamp, da ich nicht genau wusste worauf ich mich da einlasse. Tatsächlich waren manche der Erfahrungen, die ich dort machte, etwas beängstigend. So war es ein seltsames Gefühl, wenn ein Schizophrener einen die ganze Zeit anstarrt, meist nicht mit einem spricht und in einem anderen Moment wie ein Wasserfall redet. Auch war ich nicht daran gewöhnt, mit jemandem durch die Stadt zu laufen, der mir dann erzählt, dass er eigentlich im Gefängnis ist und nur gerade wegen guter Führung eine Ausgangserlaubnis hat. Da fragt man lieber nicht nach, was er denn verbrochen hat. So fremd mir diese Welt am Anfang war, so nahe fühlte ich mich vielen dieser Menschen nach zwei Wochen in Salamanca, in denen wir gemeinsam Fußball und Karten spielten, die Stadt erkundeten, aßen, lachten und manchmal auch zusammen schwiegen. Wenn einem jemand sein ganzes Leben erzählt hat, kann man ihn nicht mehr nur als einen schuldigen Kriminellen sehen, sondern merkt, dass eigentlich jeder, wenn er Pech hat, in so eine Situation geraten kann. Wenn ein Kind bereits in eine Familie von Dealern und Alkoholikern hineingeboren wird, ist es schwierig - trotz aller Intelligenz - aus diesem Umfeld herauszukommen. Andere sind plötzlich krank geworden, und ihre Familie hatte nicht die Kraft oder Möglichkeit, sie zu unterstützen. Viele haben auch einfach nur ihren Job verloren und sind dann immer tiefer abgerutscht. Um solche Leute aufzufangen und ihnen wieder ein Leben in Würde und einen Neuanfang zu ermöglichen, sind solche Orte wie das Zentrum der Caritas in Salamanca dringend notwenig. Die Freiwilligenarbeit gibt einem die Möglichkeit, den Menschen dort das Gefühl zu geben, etwas wert zu sein und ist gleichzeitig sehr bereichernd für einen selbst, da man eine andere Lebenswirklichkeit kennen lernt und offener für andere Lebensformen wird.

Susanne