In den Erfahrungsberichten schildern Teilnehmende ihre Erlebnisse im Camp.

Ganz unverfälscht und aus erster Hand. Auch die Sprache haben wir bewusst so belassen, wie sie war. So kannst Du Dir ein besseres Bild machen.

Nationalpark Thy, Dänemark

15 junge Menschen zwischen 18 und 23 Jahren, 7 verschiedene Nationen (Italien, Spanien, Russland, Japan, Deutschland, Tschechien und Frankreich), 14 Tage lang 24h unter freiem Himmel, Freiwilligenarbeit im National Park Thy – Das ist das Workcamp „Hands on Natur 2016“.

Manche der Teilnehmer machten ihre erste Solo – Auslandsreise, andere sind schon überall in der Welt herumgekommen. Für einige ist es die erste Workcamp-Erfahrung gewesen, andere waren schon erfahrene Workcamper.

An unserem ersten gemeinsamen Tag standen das gegenseitige Kennenlernen und Erkunden der umliegenden Region auf dem Plan. Mit unseren Fahrrädern, welche uns (mehr oder weniger) zuverlässig zu allen Einsatzorten und Aktivitäten bringen sollten, machten wir uns mit der Gegend vertraut. Unsere dänischen Betreuer unseres Projekts zeigten uns die vielfältige Landschaft, die idyllischen Seen und natürlich die Nordsee. Das malerische Örtchen Vorupor, welches direkt an der Küste liegt und die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit bietet, wurde noch Ziel vieler weitere Ausflüge zum Schwimmen, Ausruhen und Erkunden.

Bereits vor dem ersten Arbeitseinsatz wurden wir schon von Journalisten beim Frühstück gefilmt und interviewt. Dass es mein mitgebrachter Brotaufstrich gleich in eine dänische Regionalzeitung schafft, hätte ich zuvor auch nicht erwartet.

Unsere Arbeit bestand hauptsächlich aus dem Entfernen von fremden Spezies aus der Dünenlandschaft, den offenen Gebieten und den Wäldern. Außerdem schnitten wir – bewaffnet mit Astscheren und Sägen – einen zugewucherten Tümpel frei oder brachten einen verdeckten Bachlauf zurück ans Tageslicht. In nur zwei Wochen konnten wir viele unterschiedliche Pflanzenarten und Tiere kennenlernen und einiges darüber erfahren, welche Spezies besonders geschützt werden müssen und wie dieses umgesetzt wird bzw. werden soll. Ein besonderes Highlight war das Mähen mit der Sense. Ein professioneller Sensenmäher führte uns in diese Kunst ein. An zwei Tagen wurden wir in aller Früh geweckt. Das Frühstück fand noch im Mondlicht statt; dann wurden wir zu der Einsatzstelle gebracht. Dort wurde im Morgengrauen das hohe Gras einer kleinen Streuobstwiese mühevoll gemäht. Gar nicht so einfach, mit einer Sense richtig umzugehen! Es kostet viel Geduld, Ausdauer und Hornhaut an den Händen. Aber es macht auch sehr viel Spaß, insbesondere wenn man das Ergebnis danach sieht – das wurde natürlich auch gleich vom lokalen Fernsehsender eindrucksvoll dokumentiert.

Unser Essen bereiteten wir immer zusammen mit unseren dänischen Gruppenleitern zu. Jede Nationalität hatte ihren eigenen Tag und bereitete etwas Landestypisches zu. So konnten wir spanische Patella (?), japanische Miso-Suppe und Ingwerreis, russischen Borschtsch, deutsche Bratkartoffeln, dänische Hotdogs, italienische Pasta, französische Galette und noch vieles mehr probieren und genießen.

Unsere dänischen Betreuer hatten sich einige Aktivitäten und Ausflüge während unserer freien Zeit überlegt. Gleich nach dem ersten Arbeitstag radelten wir an einen See zum Kajakfahren. Unser Workcamp beinhaltet nicht nur sehr viel Spaß, sondern wir durften auch sehr viel lernen, sehen und selbst ausprobieren. Wir machten die unterschiedlichsten Dinge in unsere Freizeit – einmal kam ein Jäger vorbei und erklärte uns seine Verantwortung und Aufgaben im Nationalpark, ein anderes Mal besuchten wir ein Museum über den zweiten Weltkrieg. Wir besuchten ein klassisches Konzert in einer süßen, kleinen Kapelle, wanderten durch die Dünen entlang der alten Rettungsroute und machten einen Stadtbummel in Thisted, der nächstgrößeren Stadt. Wir bekamen eine Führung über alle essbaren Pflanzen im Nationalpark und verarbeiteten unsere Funde zu Marmelade, Kräuterbutter, Pesto und Pilzsoßen. Mein persönliches Highlight war das „Dinner mit den Locals“. Aufgeteilt in kleine Gruppen waren wir bei verschiedenen dänischen Freiwilligen zuhause zum Abendessen eingeladen. Mit offenen Armen wurden wir begrüßt und hatten die einzigartige Chance, einen Einblick in das traditionelle dänische Essen und Leben zu bekommen. Nach nur wenigen Stunden fiel uns der Abschied bereits schwer. Ein weiterer Höhepunkt war der gemeinsame Tag mit Flüchtlingen. Wir trafen uns an einem Einsatzort und arbeiten zusammen. Zum Abschluss grillten wir, aßen iranischen Kebab mit deutschen Bratkartoffeln und arabischem Brot. Bei so vielen verschiedenen Nationalitäten an einem Tisch gab es viel zu erzählen und zu lachen.

Am Ende des Workcamps konnte jeder eine gute Ausdauer zum Radfahren, viel Wissen über die Natur und den Nationalpark, viele neue Rezepte, viele schöne Momente und Erinnerungen und neue Freundschaften aus aller Welt mit nach Hause nehmen. Jeder kann sich mit seinen Interessen, Qualitäten und Stärken einbringen und das Workcamp zu dem formen, was erlebnisreicher, spannender, erfüllender und spaßiger als jede andere Art von Urlaub sein kann.

Mira W. 

Frühjahrsputz im Frühling oder doch Wintereinsatz?

Das Berlin Spring Workcamp überraschte nicht nur die Teilnehmer, sondern auch uns als Teamer. Anstatt angenehmen Frühlingstemperaturen erwischte uns der Winter noch einmal mit großer Unbarmherzigkeit. 2 Wochen bei Minustemperaturen in der Projekt – und Begegnungsstätte der VJF e.V. und keine Arbeit, welche man draußen erledigen konnte. Also suchten wir uns andere Arbeit und warme Heißgetränke halfen uns die ersten Tage zu überstehen. Wir, dass sind 11 junge arbeitswillige Leute aus Deutschland, Spanien, Italien, Korea, Japan, Serbien, Georgien und der Ukraine.

Campsprache war wie immer Englisch, was lediglich einer Teilnehmerin Probleme bereitete. Ansonsten gab es kaum Schwierigkeiten bei der Verständigung – wozu gibt es Hände und Füße? Die ersten Stunden des Kennenlernens verliefen recht entspannt und schnell wurden Kontakte geknüpft. Es wurde sofort über Problematiken und Topographie der jeweiligen Länder geredet. Selbstverständlich, wie in jedem anderen Workcamp vermutlich auch, wurden sofort einige Brocken der Muttersprache an andere weitervermittelt und selbst Kraftausdrücke wurden rege ausgetauscht …

Schnell wuchs man als Gruppe zusammen und selbst der eigenwillige Alleingang eines Teilnehmers, der uns als Teamer ab und zu vor Probleme stellte, konnte die Gruppendynamik nicht zerstören. Man erledigte die Besorgungen, kochte gemeinsam und verbrachte die Abende gemeinsam. Nichts konnte uns als Gruppe nach gerademal drei Tagen auseinanderbringen. Die Aufgeschlossenheit aller Teilnehmer überraschte uns, war aber nur dienlich.

Die Arbeit fiel aufgrund des saukalten Wetters und der schlechten Bedingungen vor Ort recht spartanisch aus. Dennoch gab es einiges an Arbeit zu erledigen und beschäftigte uns während der Ostertage, da kaum etwas zu besuchen war. Wir schliffen die Türen in den Bungalows, eine Bank und Hollywoodschaukel und verpassten diesen beiden einen neuen Anstrich. Außerdem konnten wir in den letzten Tagen durch das etwas verbesserte Wetter einige kleine Arbeiten draußen erledigen und Holz sammeln sowie einige Bereiche der PuB säubern.

Die Ausflüge machten allen Beteiligten Spaß und beliefen sich größtenteils auf Sehenswürdigkeiten. Man besuchte den Alexanderplatz, das Brandenburger Tor, den Gendarmenmarkt, den Potsdamer Platz, den Checkpoint Charlie und und und … Selbst ein kleiner Ausflug in eine Bar über den Dächern Berlins belohnte die Arbeit der Teilnehmer und vergaß den teuren Spaß für den Fernsehturm. Auch ein geselliger Abend beim Bowling schweißte uns als Gruppe zusammen und der Muskelkater am nächsten Morgen, nach zwei Stunden des Wettbewerbes, ließ uns kalt (was wohl nicht nur am Wetter lag!). Ein Ausflug der sich wohl für jeden gelohnt hat war der Besuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Hier kamen am Abend viele verschiedenen Meinungen und Gedanken zum Vorschein und ließen uns eine äußerst interessante Diskussion führen.

Die Tage vergingen und das Camp neigte sich dem Ende zu. Die Stimmung wurde ruhiger und keiner wollte so recht das Camp verlassen auch wenn er sich auf die Heimat freute. Als nun der Tag des Abschieds kam flossen bei dem ein oder anderen auch die ein oder andere Träne. Dennoch sind wir alle nicht alleine zurück in unsere jeweiligen Länder gefahren. Wir haben tolle Erlebnisse und Erfahrungen mitgenommen, die uns wirklich niemand nehmen kann und die wir für immer in unserem Herzen tragen werden. Jeder hat noch Kontakt zu den anderen und durch die heutzutage verbesserte Kommunikation durch sogenannte soziale Netzwerke ist es uns möglich sich untereinander auszutauschen. Außerdem beginnt nun die Planung eines weiteren Workcamps für uns alle in Korea durch die aktive Mitwirkung einer Teilnehmerin in ihrer Partnerorganisation.

Was bleibt also noch zu sagen? Danke VJF für die wunderschönen zwei Wochen und die Erfahrungen, die jeder von uns dadurch machen durfte!

Christian H.

Ein Waldcamp der besonderen Art…

…war das sechste internationale Jugendworkcamp auf jeden Fall. Nachdem die Teilnehmer (TN) dienstags mit einigen Schwierigkeiten auf Grund einer Bombenentschärfung an der Bahnstrecke bei
Prenzlau verspätet im Camp eintrafen, genossen sie die Ruhe und ausdrückliche Nähe zur Natur auf
dem Fennhof in Ludwigshof. Erste Küchenpläne wurden erstellt, Aufsteh- und Essenszeiten festgelegt
und geruhsam sah man dem nächsten Tag entgegen.

Mittwoch, der erste Arbeitstag 

Pünktlich 8:30 Uhr erscheinen die Mitarbeiter des Naturparks Am Stettiner Haff, um den TN den
Projektablauf im Camp zu vermitteln, sie in den Arbeitsschutz einzuweisen und um auf die
Besonderheiten des Projektes aufmerksam zu machen. Der Nachhaltigkeitsgedanke steht jederzeit
im Vordergrund. Um die eigenen Bedingungen zu verbessern sollen die TN in den nächsten Tagen ihr
Kompostklo und eine Solardusche errichten. Auf bitten von Yusuke, des japanischen TN, wurde mit
der Dusche angefangen. Was die Arbeitszeit betraf, so waren alle bereit, so lange zu werkeln bis die
Dusche stand.

Das 2- Personen-Küchenteam wachte über die Essenszeiten des Tages und half
tatkräftig bei deren Vorbereitung mit. Am Abend dann der erste Teilerfolg, die Dusche stand. Und
was die jungen Handwerker betraf, so lernten sie bereits am ersten Tag mit diversen Werkzeugen
umzugehen, von der Handsäge über Hammer, Nagel, Zimmermannswinkel und Zollstock bis hin zur
Akku-Motorsäge der Marke Stihl. Das war für einige definitiv das erste Mal und daher echt
aufregend.

Frankreich, Belle Ile

Belle Île war konkurrenzlos der Höhepunkt dieses Jahres nach einer aufreibenden Klausurenzeit. Eine Insel südlich der Bretagne? Dabei hat doch bereits das westliche Festland Frankreichs den Ruf weg, verregnet und diesig zu sein. Doch die Beschreibung„für Naturliebhaber reizte mich, auf in ein neues Abenteuer!

Über Paris ging es für mich mit dem Zug nach Quiberon und anschließend aufs Schiff. Wir waren 16, eine Horde Freiwilliger bunt zusammengewürfelt aus Europa und dem Rest der Welt. Bereit und voller Tatendrang, nur unsere Aufgabe kannten wir noch nicht. Das sollte sich bald ändern.

Im Camp angekommen bezogen wir unsere Zelte und erforschten die Gegend: Eine Insel wie man sie sich vorstellt! Nicht ganz wie Robinson Crusoe, der auf der Suche nach Freitag Schildkröten erlegt und sein eigenes Brot bäckt. Aber doch eher ein Leben mit der Natur, mit Regen, Sonnenschein und Wind.

Einen historischen Pferdepfad galt es freizulegen. Nach vielen Jahren hat die Vegetation die Oberhand über diesen Weg gewonnen. Nun hieß es anpacken, mit Machete, Sense, Axt, Säge und Vorschlaghammer. Nach wochenlangem Büffeln für Prüfungen war diese körperliche Arbeit genau das richtige Rehabilitationsprogramm. Zusammen schlugen wir Schneisen ins Dickicht, lichteten das Unterholz und fällten Bäume. Über einen sumpfigen Weiher wurde eine Brücke von 15 Metern Länge konstruiert. Die Hänge wurden befestigt, manchmal Treppen gebaut. Unser Wasserverbrauch bei strahlendem Sonnenschein zur Mittagszeit war enorm!

Doch auch die Zeiten zum Entspannen sollten nicht zu kurz kommen! Sei es gemeinsam Boule zu spielen, im Kleinbus entlegene Traumstrände anzusteuern und ins kühle Nass zu springen oder auch nur eine Abendwanderung entlang der Felsküste zu machen. Oft saßen wir abends noch lange bei Cidre zusammen, philosophierten auf französisch oder auch englisch über Gott und die Welt und fielen schlussendlich müde, aber glücklich, in unseren Schlafsack im Zelt.…

Leider machten uns Gewitterschauer einen Strich durch die Rechnung, als wir nachts am Strand unterm Sternenhimmel schlafen wollten. Doch über zu wenig Sommersonne kann ich mich überhaupt nicht beklagen: Arbeit und Strand ließen meine Haut schon nach wenigen Tagen ordentlich braun werden.

Unbedingt muss ich noch den Französischen Nationalfeiertag erwähnen! An unserem letzten Wochenende herrschte Ausnahmezustand auf der Insel. Ein riesiges Feuerwerk und eine beeindruckende Feier bildeten den krönenden Abschluss dieser beiden Wochen. Bis tief in die Nacht feierten wir ausgelassen und tanzten mit den Bewohnern und den Touristen auf den Straßen von Le Palais.

Doch auch diese schöne Zeit fand sein Ende, es hieß Abschied nehmen. Dem Paradies auf Wiedersehen sagen, und doch frohen Mutes nach vorne zu schauen. Fünf Freunde aus meinem letzten Workcamp in den Niederlanden habe ich dieses Jahr in Paris, Prag, Lissabon, Valencia und Sevilla besucht. Somit bleiben neben schönen Erinnerungen auch Freunde und Kontakte in aller Herren Länder.

Jan                                                           

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Sieben Jahre Französisch an der Schule waren weg. Alles vergessen. Zumindest hatte ich genau diesen Eindruck, als ich inmitten meines FSJ in Buenos Aires (2006/2007), versucht habe, ein paar Sätze auf Französisch zu bilden. Ein wenig deprimiert überlegte ich also eines Sommertages im Dezember – noch war ich ja auf der anderen Seite der Erdhalbkugel – wie ich wieder an mein Französisch-Wissen rankommen könnte.

Und nein, einen teuren Sprachkurs konnte ich mir nicht leisten. Was ich plante, waren zwei Workcamps im Sommer 2007 in Frankreich. Beide dauerten drei Wochen, aber das war dann auch schon das einzige, was sie gemeinsam hatten.

Das erste Workcamp fand im Süden von Frankreich statt, im 3000 Seelen-Dorf Montendre, von denen ich aber höchstens 20 (sehr alte) Seelen gesehen habe und ein paar Hunde. Glücklicherweise gab es dann ja aber noch das Workcamp mit Jugendlichen aus allen Herren Ländern; Vika aus Litauen, Jovana aus Mexiko, Young Wan aus Südkorea und so weiter. Jedoch war der groβe Unterschied zu einem üblichem Camp die Tatsache, dass es sich hierbei um ein “Open Workcamp” gehandelt hat – man konnte dem Workcamp-Team beitreten und es wieder verlassen, wann man wollte. Drei Wochen blieb ich dann dort und erlebte, seien wir ehrlich, nicht wirklich viel. Ausnahmen waren: Wochendsausflüge nach Bordeaux (eine wirkliche nette Stadt) und ein Musik-Festival in Montendre am Ende der drei Wochen, welches viele Jugendliche aus dem Süden Frankreichs anlockte. Und naja, natürlich wurde Französisch gelernt, was ja eigentlich der Sinn der Sache war – und gearbeitet. Hauptsächlich wurde an einem Loch gegraben. Später einmal sollte aus diesem Loch ein Regenwassertank werden und dem “Jugendzentrum”, wo wir wohnten, zu Gute kommen. Nach drei Wochen dieser zwar anstrengenden, aber auch lustigen Arbeit, fuhr ich dann mit einem Zug zum anderen Workcamp. Aus dem kleinen französischen Dorf im Süden Frankreichs steuerte ich eine Weltmetropole an. Mein nächstes Workcamp fand in Paris statt.

Der Sinn dieses in Sèvres gelegenen Workcamps (etwa 10 km Entfernung zum Zentrum von Paris) war das Errichten eines Gartens samt Mauer. Es sollte der Stadt, aber vor allen Dingen auch den Kindern des Jugendzentrums zu Gute kommen, welches uns tatkräftig unterstützte. Motiviert waren wir also alle – d.h. Spanier, Russen, Südkoreaner, Serben, Armenier, Ukrainer und Deutsche. Es war wirklich ein bunter Mix und wir verstanden uns auch alle super. So super, dass ich auch gleich zusammen mit einer Russin war, aber das ist eine andere Geschichte… Natürlich sind wir alle zusammen so oft wie möglich nach Paris gefahren und waren entweder tanzend in Diskos oder ganz brav und kunstinteressiert im Louvre. Oder wir gingen hoch bis zur Kirche Sacré-Cœur, setzten uns auf die Stufen und genossen von dort aus den Ausblick auf ein sommerliches Paris. Diese Stadt ist wirklich wunderbar. Das Lernen der französischen Sprache jedoch förderte sie nicht unbedingt – aufgrund von zu wenig Zeit, weil man soviel erlebte.

Dennoch, ich habe mein Ziel erreicht und kann jetzt sogar wieder ein bisschen mehr als ein paar Sätze auf Französisch bilden. Aber ist das das Wichtigste gewesen? Natürlich nicht. In beiden Workcamps konnte ich eine Menge Erfahrungen sammeln und werde diese Zeit bestimmt nicht vergessen. Vive la France!

René

Frankreich, Fai Farm

3 Wochen Frankreich, 3 Wochen auf der Fai Farm – eine Zeit voll Erfahrungen, unvergesslicher Momente, Freundschaften.
 
Der Kopf scheint zu explodieren, so viele Eindrücke- kultureller, landschaftlicher und menschlicher Art -strömen die ersten Tage auf einen ein. Bei der Ankunft in dem vielleicht hundert Einwohner Dörfchen „Le Saix” ist es vor allem die Gebirgslandschaft der Alpen, die einem den Atem nimmt (gerade für Menschen aus dem norddeutschen Flachlandraum ein immenses Gefühl auf einem Berg zu stehen und hunderte Meter in die Tiefe zu blicken…).
 
Doch das Endziel ist noch nicht erreicht. Weiter geht es in halsbrecherischer Tour noch knappe zwanzig Minuten auf 1600m Höhe, wo sonst nur vereinzelte Wanderer ihren Fuß hinsetzten. Endpunkt, bitte aussteigen: Willkommen auf der Fai Farm!
 

Einem auf den ersten Blick sehr einsamen Ort, wo selbst Schmetterlinge zahm sind und sich unbekümmert auf einem niederlassen. Wegzukommen ist hier nicht leicht, höchstens zu Fuß und im Dorf dann per Anhalter. Das einzige Auto der Farm wird aus umweltbewussten Gründen nur zum einkaufen, selten außer der Reihe, gebraucht.
 
Morgens heißt es um 7h aufstehen- zugegeben: nur am ersten Morgen -verhexterweise wird dieses schlaftrunkene aus dem Zelt Taumeln von Tag zu Tag später, bis es am Ende der drei Wochen heißt: Verdammt, es ist kurz vor acht, nur noch 5 Minuten bis die Arbeit anfängt….
 
Ja, die Arbeit…am Anfang wussten wir noch gar nicht was uns genau erwarten würde. Ein Musikfestival sei vorzubereiten, hieß es in der Infobroschüre…
Im Endeffekt haben wir vormittags eine Freilichtbühne gebaut, dadurch ganz nebenbei einige handwerkliche Tricks gelernt, und nachmittags mit einer Künstlerin der Region „Landart” zum Thema Meer gestaltet, um das Festivalgelände zu dekorieren.
 

Ein dadurch sehr abwechslungsreiches Programm, auch wenn wir am Ende die von uns aus Ästen, Zweigen und Blättern gebauten „jellyfish” nicht mehr sehen konnten…
Wir haben in den knapp sieben Stunden Arbeit pro Tag Unmengen Wasser konsumiert, in der Sonne geschwitzt, nebenbei zur Motivation Lieder auf sämtlichen Sprachen gelernt, und am Ende des Tages doch (meistens) das Gefühl gehabt, etwas geschafft zu haben.
 
Nach der Arbeit war es das Schönste, in den nahe gelegenen Bergbach zu springen und nur für Sekunden das eiskalte Wasser am ganzen Körper zu spüren.
Das Essen danach war auch einer der Höhepunkte des Tages- comme on dit: la cuisine francaise est la mieux- so gab es immer einen Salat und Dessert zusätzlich zum Hauptgericht, das im Wechsel von uns Freiwilligen zubereitet wurde.
 
Aber nach den drei Wochen ist es nicht unbedingt die Arbeit, die am längsten im Gedächtnis bleibt.
Es sind die gemeinsamen Abende, die Gruppenaktivitäten wie das Treffen mit 200 anderen Freiwilligen der Region, die Bergwanderung mit unbeschreiblicher Aussicht, der Ausflug zur Tour der France und natürlich das Musikfestival selbst (wobei es dabei durchaus von Vorteil war, neben dem Englischen, der eigentlichen Campsprache, Französisch zu beherrschen).
 
So war es faszinierend zu beobachten, wie am Ende aus den vielen einzelnen, bunt zusammen gewürfelten Menschen eine zusammenhaltende Gruppe, die „Fai-family”, wurde.
Und es beschreibt wohl nur zu gut die geniale Atmosphäre, wenn ich am Ende sagen kann:
Es wird sicherlich nicht mein letztes Workcamp gewesen sein!
 
Lea

Indien, Kundapur

m November 2006 nahm ich an einem Umweltschutz/Meeresschildkröten-Workcamp in Kundapur im indischen Bundesstaat Karnataka teil. Die dortige Küstenregion ist Heimat verschiedener Meeresschildkröten-Arten, deren Population zunehmend kleiner wird, u.a. weil die Tiere kaum noch ruhige Plätze für die Ablage ihrer Eier finden, oder weil die Fischer die Schildkröteneier einsammeln, um sie zu verkaufen. Ein wichtiger Aspekt unseres Projektes war es, die Bevölkerung auf diese Problematik aufmerksam zu machen und aufzuzeigen, welche Folgen das Aussterben der Meeresschildkröten vor allem auch für die ortsansässigen Fischer hat, da die Schildkröten schließlich ein wichtiger Teil des marinen Ökosystems sind.
 
Es war kein klassisches Workcamp im herkömmlichen Sinne, denn wir waren lediglich zwei Workcamp-Teilnehmer und schlossen uns den Longterm-Volunteers an, die schon länger am „Turtle Projekt” in Kundapur mitarbeiteten. Organisiert wurde das Camp von der indischen Partnerorganisation FSL India und die übrigen Freiwilligen kamen unter anderem aus Frankreich, Korea, Deutschland, Australien und den Niederlanden. An den Stränden bauten wir aus Bambus und Palmblatt so genannte „Informationszentren”, in denen von uns gemalte Plakate über die Gefährdung der Meeresschildkröten aufklärten. Weiterhin errichteten wir Brutstätten, in denen gefundene Schildkröteneier gesammelt und bis zum Ausschlüpfen der Schildkrötenbabys bewacht wurden. Auch sprachen wir mit den Fischern und suchten Kontaktpersonen, die die FSL-Mitarbeiter über gefundene Eier informieren. Ein Highlight war in jedem Fall das kleine „Schildkröten-Theaterstück”, das wir in Schulen der Umgebung aufführten. Die Begeisterung und Freude der indischen Kinder war besonders schön zu erleben. Am letzten Tag des Workcamps legten wir im Rahmen eines sozialen Projektes von FSL in einer Schule einen neuen Garten für die Schüler an.
 
Auch über die Workcamparbeit hinaus war die Zeit in Kundapur spannend und vielseitig – ob nun der Besuch bei einer indischen Familie mit gemeinsamem Kochen, das Treffen unserer Gruppe mit indischen Collegestudenten zum kulturellen Austausch, oder der Besuch eines hinduistischen Tempelfestes in der nächstgrößeren Stadt.
 
Für mich war der Aufenthalt in Kundapur eine besonders in Erinnerung bleibende Station meiner Indienreise – es hat viel Spaß gemacht, mit der Gruppe gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten, und nebenbei habe ich viel über die indische Kultur gelernt!

Meike 

Island, Heimaey

ch könnte Romane schreiben über mein Workcamp in Island, so viele Eindrücke und Erlebnisse habe ich mitgenommen. Ich versuche mich an einem kleinen Ausschnitt. Unsere Gruppe bestand aus 20 Leuten zwischen 18 und 42 Jahren aus 12 Ländern, beginnend bei halb Europa über Mexiko, Australien und den USA bis zu Japan. Abgesehen von Afrika waren alle Kontinente vertreten. Ein bunter und so liebenswerter Haufen! Untergebracht waren wir in einem Jugendzentrum – ein Matratzenlager zwischen Tischtennis, Tischfußball, Billard und unter Discoscheinwerfern. Die Küche mit Blick auf einen der Vulkankegel wurde mit ihren gemütlichen Sofas und natürlich den dort gelagerten Essensvorräten zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Dass sie aufgrund ihrer überschaubaren Größe eigentlich immer vollkommen überfüllt war, machte die Sache noch viel behaglicher. (Ja, schon jetzt nach meinen ersten Sätzen – all die schönen Erinnerungen, all die kleinen großen Anekdoten – sitze ich hier lächelnd und bekomme „Heimweh”.)

Island, ein Land mit einer Einwohnerzahl wie meine Heimatstadt, die ich immer als so provinziell empfunden habe. 313.000 Menschen. Ein Telefonbuch für das gesamte Land. Wir auf einer kleinen Insel namens Heimaey südlich der Hauptinsel, noch einmal ein Art abgeschiedener Mikrokosmos. Ein paar Mal Kneipenbesuch am Abend reichten, um das halbe Dorf zu kennen, ständig auf der Straße gegrüßt zu werden und zu Partys „einheimischer” Jugendlicher eingeladen zu werden. Die unglaublich freundliche, hilfsbereite und offene Art der Menschen dort war kaum zu glauben. Wirklich, ein bisschen Gewöhnungsphase habe ich gebraucht: man neigt dazu, manchmal den Mund offen stehen zu lassen. Die isländische Sprache war allerdings nicht so ganz unkompliziert. Einmal gesellte sich ein ca. 8-jähriger Junge beim Arbeiten zu uns, und wir unterhielten uns ein wenig (Englisch konnten selbst kleine Kinder schon unglaublich gut). Eine Stunde später kam er wieder, fragte, ob man seinen Namen, der unaussprechbar war, noch wüsste. Der Befragte wusste – und bekam dafür einen Schokoriegel.

Unsere Arbeit drehte sich um ein jährlich stattfindendes Festival zur Feier der Unabhängigkeit Islands. Wir halfen bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Im Vorfeld strichen wir z.B. Hütten und säuberten das Gelände. Während des Festivals spielten wir tagsüber Security, d.h. wir zeigten Präsenz (so der Auftrag; dass wir ziemlich über uns lachten, muss ich, glaube ich, nicht erwähnen) und halfen in erster Linie, wegfliegende Zelte einzufangen und aufzubauen. Nach dem Festival räumten wir auf.

Mit den Arbeitszeiten nahmen es die Isländer irgendwie nicht so genau. Ein typischer Arbeitstag sah etwa so aus: 13 Uhr schlenderten wir zusammen auf das Festivalgelände und erkundigten uns, was denn zu tun sei. Bis wir einen konkreten Auftrag bekamen, dauerte es in der Regel ca. 20 Minuten, die wir im Gras liegend uns unterhaltend verbrachten. Danach machten wir uns mit Farbe und Pinsel ausgestattet ans Malen – bis uns 45 Minuten später die Farbe ausging. Also machte sich einer unserer „Chefs” irgendwann auf den Weg, Nachschub zu besorgen. Die nächsten 30 Minuten Wartezeit spielten wir also Fußball. Dann ging’s ein bisschen weiter. Bis wiederum 45 Minuten später ein Auto vorfuhr, Cafépause verkündete und uns mit Getränken und Süßigkeiten versorgte. Dann noch mal ein bisschen arbeiten, bis schließlich unser Auftrag erfüllt war. Auf Nachfrage hieß es, es gäbe nichts Neues und: „relax!” oder auch „enjoy yourselves!”. „Arbeitstag” beendet.

Das Festival an sich war auch ein wunderschönes Erlebnis. Für Menschen wie mich, die die Stimmung auf Festivals lieben, umso mehr. Tausende von Isländern kamen zu den Konzerten und anderen Veranstaltungen, sangen, feierten. Riesige Feuerwerke, Fackelketten und Leuchtfeuer erhellten den Himmel. Eine riesengroße Party und wir mittendrin.

Die Kochteams zauberten täglich leckeres Interessantes aus den verschiedenen Ländern auf den Tisch, so dass wir am Schluss alle ein paar Kilos mehr auf den Hüften hatten. Aber die hatten sich gelohnt! Wir erkundeten zusammen die Insel, bekamen kostenlose Bootstouren und vergünstigte Reitausflüge mit den bekannten isländischen Pferden. An den Abenden außerhalb der Festivalzeit versammelten wir uns entweder im Whirlpool (für das Schwimmbad hatten wir für den gesamten Zeitraum Freikarten), erklommen einen der Vulkane oder Felsen, um den Sonnenuntergang zu genießen, oder besuchten die örtliche Kneipe, um dann morgens um 4 bei vollkommener Helligkeit nach Hause zu gehen (die Sonne geht zu dieser Jahreszeit in Island zwar unter, verschwindet aber nur knapp hinter dem Horizont, so dass es nie richtig dunkel wird).

Faszinierend und einfach isländisch war auch ein anderer, ganz besonderer Abend. Wir bestiegen einen der Vulkane, der erst 1973 zuletzt ausgebrochen ist und dessen Krater in 1m Tiefe fast 500°C misst. Das Kochteam hatte in Alufolie gewickelte Würstchen, Gemüse und Kartoffeln sowie einen Kuchen vorbereitet. Alles wurde im warmen Erdreich verbuddelt und war schon kurze Zeit später gar. So saßen und lagen wir dann dort oben auf dem angenehm warmen Boden mit Blick auf die Gletscher des Festlandes und das weite Meer und ließen es uns schmecken.

Bevor ich mich jetzt nicht mehr stoppen kann: dieses Workcamp war mein erstes Workcamp, wird aber ganz bestimmt nicht mein letztes sein. Es war eine wunderschöne Erfahrung, mehrere Wochen mit Menschen aus der ganzen Welt zusammen zu sein. Eine kulturelle Bereicherung, interessant und erfrischend und sehr intensiv. Ich habe viel gelernt (allein all die „internationalen” Witze) und hatte so viel Spaß. Ich war schon in einigen Ländern im Urlaub, aber im Rahmen des Workcamps habe ich einen ganz anderen Einblick in und Bezug zu meinem Gastland, seinen Bewohnern und seiner Kultur bekommen. Und wenn ich mal nach Paris, New York oder Tokio komme, weiß ich, alte Freunde zu treffen.
 
Anna

Island, Reykjavik

20.7. Endlich geht mein Flug in den hohen Norden. Nach der Landung nahm ich direkt den Flybus nach Reykjavik. Dort ankommen, ging es zu Fuß in die WF- Unterkunft. Nun hatte ich noch einen guten Tag Zeit, um die Stadt unsicher zu machen. Am 22.7. begann dann mein erstes Workcamp: Vestmannaeyjar Festival. Für die Hinfahrt machte man uns das Angebot, mit dem Minibus die Golden Circle Tour abzufahren. Gesagt getan. Anschließend ging es per Fähre nach Vestmannaeyjar zu unserer Unterkunft: das Sportcenter vom IBV, einem bekannten isländischen Fußballverein. Die (recht große) Gruppe war ein bunt gemixter Haufen mit jungen Freiwilligen aus der ganzen Welt. Dabei waren Freiwillige aus Japan, Taiwan, Korea, den USA und vielen Nationen Europas.
 
Nach dem großen Kennenlernen am ersten Tag begann am nächsten Tag die Arbeit. In der ersten Hälfte des Camps haben wir mit Hilfe einer Metallröhre Geröll in unterschiedliche Boxen gefüllt. Dies sollte als Schutz für die Besucher des Festivals sein. Die Arbeit war immer in zwei Gruppen eingeteilt, eine Frühschicht bis mittags und eine Spätschicht bis 17 Uhr. Die Arbeit war natürlich sehr laut, Gehörschutz gab es aber leider nicht. Auch Arbeitshandschuhe erhielten wir erst auf Nachfrage. In der freien Zeit spielten wir Karten, redeten über alles Mögliche, gingen in den Swimmingpool, welcher sehr schön gemacht war, liefen in die Stadt oder gingen wandern (vor allem auf die beiden Vulkane). An unseren freien Tagen bekamen wir auch Ausflüge von dem Veranstalter vor Ort gesponsert. Dabei machten wir eine Stadtrundfahrt, sahen einen Kinofilm über die Geschichte der Insel und unternahmen eine Bootsrundfahrt um die Inseln. Hinzu kam natürlich auch die Arbeit für die Gruppe. Jeder gehörte mal dem Einkaufs-, dem Putz- bzw. dem Abendessenteam an.
 

Gegen Ende des Camps fand dann das Festival, welches unvergleichbar war, statt (ein Wochenende), zu dem wir selbstverständlich jeden Abend gingen. Am Tage danach bestand unsere Aufgabe darin, all den angefallenen Müll wieder per Hand aufzusammeln. Und so neigte sich das Camp dem Ende. Am 5.8. ging es dann nach Reykjavik zurück, allerdings mussten ein paar von uns dabei den Überlandbus nehmen, denn kurzfristig haben die Plätze im Minibus leider doch nicht gereicht. Zurück in Reykjavik blieben mir weitere 3 1/2 Tage bis zum Start des nächsten Camps. Zunächst fuhr ich mit einer Teilnehmerin aus meinem ersten Camp nach Hveragerði. Für den 7.8. hatte WF das Angebot gemacht, zur Blue Lagoon zu fahren. Nach einigen Überlegungen haben meine Begleiterin und ich das Angebot genutzt. Vorher haben wir uns allerdings noch die Gay Pride in Reykjavik angesehen. Einen Ausflug in die Blue Lagoon sollte man unbedingt unternehmen, wenn man in Island ist, und sich nicht von dem doch stattlichen Eintrittspreisen abschrecken lassen. Es ist echt schön gemacht. Am letzten Tag in Reykjavik ging es noch zur Hallgrimskirkjaund auf einen großen Flohmarkt.
 

Am 9.8. begann dann mein zweites Camp: Visual arts and environment in Eskifjorður. So machten wir uns morgens auf den Weg in den Osten, kamen jedoch erst in der Nacht an. Während der kleineren Pausen hielten wir bei Wasserfällen, dem Strand von Vik, beim Gletscher Vatnajökull und bei der Gletscherlagune. Schon während der Fahrt konnte man so seine Gruppe etwas kennen lernen. In diesem auch sehr großen Camp hatten wir ebenso Freiwillige vieler unterschiedlicher Nationen, wie Israel, Japan, Taiwan, den USA und vielen Ländern Europas. In Eskifjorður war leider die Unterkunft nicht annähernd so gut wie in Vestmannaeyjar. Außerdem war die Dusche doch etwas weit weg, die wir im 2km entfernten Swimmingpool nutzen durften. Auch hier begann die Arbeit am zweiten Camptag. Dort haben wir die ganzen zwei Wochen über Unkraut gezupft. Hauptgrund zur Teilnahme an diesem Workcamp war allerdings, mehr über die Fotografie zu lernen. Da ein Fotograf, der uns unterrichten sollte, allerdings erkrankt war, übernahm ein Campteilnehmer dessen Aufgabe. Er hielt zu unterschiedlichen Themen der Fotografie Vorträge und zeigte uns, wie man im Grunde gute Portraitbilder schießen kann. Ziel des Camps war eine Fotoausstellung von Portraits der Einheimischen Eskifjördurs. Wir machten Werbung in Form von Plakaten und Mundpropaganda. Letztendlich gab es zwei Fototage, an denen viele der Einwohner gekommen sind um sich fotografieren zu lassen. Wie geplant fand dann am 20.8. unsere Fotoausstellung statt. Diese wurde natürlich von den Portraitierten, die sich auf den Bildern sehr gefielen, gut besucht. In der restlichen freien Zeit waren natürlich wieder der Putz und das Kochen zu erledigen. Außerdem unterhielten wir uns, gingen schwimmen, falteten Origami und gingen wandern bzw. trainierten das Fotografieren.
 
An dem freien Wochenende machten wir auf Anfrage eines anderen Camps mit diesem eine Bustour in das östliche Hochland Islands. Da das Camp am Montag enden sollte, nutzten viele Teilnehmer bereits das letzte Wochenende, um Island auf eigene Faust zu erkunden. Einige flogen direkt nach Reykjavik. Eine Taiwanerin dieses Camps und ich fuhren allerdings Richtung Norden. Morgens nahmen wir den Bus nach Egilsstaðir und anschließend den Bus nach Myvatn. Dort verbrachten wir eine Nacht. Aufgrund des schlechten Wetters konnten wir aber leider nicht mehr viel unternehmen. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus weiter Richtung Norden, entlang an zwei großen Wasserfällen, einem kleinen See und einem imposanten Tal. Am Ende des Tages kamen wir in Akureyri an, wo wir uns ein Hostel nahmen. Da meine Begleiterin einen früheren Flug nach Reykjavik hatte, sah ich mir Akureyri alleine an. Am Abend kam ich Reykjavi an und genoss meinen letzten Abend mit einer letzten Lobster Soup. Nach fünf Wochen Aufenthalt ging es dann in die Heimat, worauf ich mich schon freute.
 

Neben vielen Eindrücken von Land und Leuten habe ich auch Einblicke in die Kulturen der übrigen Campteilnehmer erhalten. Interessant war dabei die landestypische Küche der übrigen Campteilnehmer. Schade war nur, dass das Budget überwiegend vegetarische Gerichte ermöglichte und diese auch nicht für alle ausreichten.
Ich weiß aber schon jetzt, dass ich Island noch einmal besuchen werde.

Mareen

Strand von Colola, Mexiko

Am einem einsamen Ort mit der Welt verbunden
 
Wir hatten 5 km Strand nur für uns ganz alleine. Na gut, ein paar Tiere waren auch noch da, Kühe, Esel, Pferde, Geckos, hungrige Katzen, Schlangen, Tarantulas und gierige Vögel, die auf unsere Babyschildkröten lauerten. Und natürlich die Bewohner Cololas, die ab und zu mit dem 4Wheeler den Strand abfuhren. Ansonsten nur der Pazifik mit seinen enormen Wellen, die nachts mit ohrenbetäubender Wucht die Erde zum Zittern brachten und dabei in der Dunkelheit kleine Phosphoreszens-Feuerwerke verursachten.
 

Wir waren eine Gruppe von 15 Leuten aus Kanada, den USA, Frankreich, Finnland, Japan und Deutschland. Alle waren total nett und wir hatten viel Spaß miteinander. Der Essens- und Putzplan wurde ohne Schwierigkeiten gemacht und eingehalten. Auch das Einkaufen- Fahren ins 2h Stunden entfernte Tecomán wurde von Freiwilligen erledigt.
 

Gearbeitet wurde immer von ca. 9 Uhr abends bis 4 Uhr nachts zusammen mit einer Gruppe von Mexikanern, die wöchentlich wechselte. Die Arbeitsgruppen wurden jeden Tag neu eingeteilt, denn es gab verschiedene Bereiche: Am Strand Schildkröten suchen und wenn sie ihre Eier legten, diese wieder auszubuddeln und zu zählen. Leider war die Saison schon vorangeschritten, so dass pro Strandabschnitt nur ca.2-6 dieser riesigen Tiere zu finden waren. Die andere Aufgabe bestand darin, mit dem Fourwheeler den Strand hoch und runter zu fahren und die Eier, die die anderen gesammelt hatten, abzuholen und an sicherer Stelle wieder einzugraben und zu beschriften. Die dritte Arbeitsstelle, mit Sicherheit die beliebteste, war bei den „Crias”, d.h. im Gehege, wo die Eier eingegraben wurden und aber auch die Babyschildkröten schlüpften. Dann wurde für die Statistik notiert, wie viele pro Nest geschlüpft waren, welcher Spezies sie angehören, das Datum und die Uhrzeit. Zum Schluss wurden sie im Meer freigelassen.
 

In jeder Gruppe waren auch immer 1-2 Leute aus Colola, die von der Arbeit mit den Schildkröten und ihrer Situation allgemein erzählten. Manche konnten auch Nahual, eine alte indigene Sprache, sprechen. Ein paar Worte habe ich gelernt. Es war sehr interessant, zu sehen, was für eine Wirkung der Besuch von Workcampern auf die dortige Bevölkerung hat. Einerseits sind sie sehr interessiert daran, Neues kennenzulernen und wollen den Fortschritt, wie z.B. Internet. Andererseits waren sie auch wieder stolz auf ihr einfaches Leben und die Naturverbundenheit.
 

Die Freizeitgestaltung fiel etwas mau aus, was aber ok war, denn der Strand bot schon genug Unterhaltung und wenn es auch eine der Hängematten war, die zum Relaxen und Buch lesen einluden. Sonstige Aktivitäten waren: Englischunterricht für interessierte Mexikaner, schwimmen gehen am Nachbarstrand, frische Kokosmilch schlürfen und aus den Schalen Schildkröten schnitzen, Yoga im Sonnenuntergang und Lagerfeuer mit Gitarren- und Melodikamusik.
 

Alles in allem war die Zeit am Strand von Colola die beste meines 6wöchigen Mexikoaufenthaltes. Man muss sich bewusst sein, dass es keinen Luxus gibt, wie z.B. eine Dusche mit fließendem Wasser und elektrisches Licht. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann kann man nicht anders als das Leben dort einfach nur zu genießen. Irgendwann werde ich bestimmt zurückkehren!

Carolyn 

Montenegro, Art Colony

Das Projekt, an dem ich in diesem Sommer teilnahm, hieß Art Colony und findet bereits seit ca. 6 Jahren in Montenegro alljährlich statt. Der Kern des Projektes bestand in der künstlerischen Darstellung des Berges Bjelasica, welcher an der serbisch-montenegrinischen Grenze liegt. Jeder Teilnehmer sollte die Landschaften um Bjelasica auf seiner eigenen Art und Weise malen. Genau 10 Tage haben wir auf den Bergen, weit weg vom hastigen und stressigen modernen Alltag, verbracht. Wir wurden drei Mal täglich mit schmackhaftem und ökologisch gutem Essen versorgt. Eine nette einheimische Frau war ständig darum besorgt.
 
Außerdem haben wir mit dem Leiter des Projektes, einem fast neunzigjährigen Titopartisan, dem humorvollen Miroslav Scekic, zahlreiche Spaziergänge durch die Berge unternommen, die uns allen sehr viel Spaß machten. Frische Bergluft, ökologisches Essen, Wildbeeren, fabelhafte Sonnenuntergänge und ein bisschen mystische und kalte Morgengrauen zusammen mit den geselligen Abendpartys ließen niemanden gleichgültig! Der zehntägige Aufenthalt auf Bjelasica kann, meiner Meinung nach, für jeden, der naturfreundlich ist und die Kunst mag, eine unvergessliche Zeit sein!

Ivan

Bratislava, Slowakei

Schon das dritte Workcamp, und keins war wie das andere! Ich glaube aus jetziger Sicht sogar, dass sich jedes in Qualität und Spaß noch gesteigert hat…
 
Im letzten Sommer war ich in Bratislava. Dort haben sich ursprünglich 13 Menschen aus der Ukraine, Serbien, Kroatien, den Niederlanden, Belgien, Kanada, der Slowakei, Frankreich, Spanien und Deutschland getroffen, um 2 Wochen zusammen an einer Ausgrabung mitzuhelfen. Dabei sollten wir eigentlich einen historischen Weg auf einem Berg mitten in der Stadt freilegen, durch einen Zufall haben wir aber etwas viel Interessanteres gefunden. Und zwar einen Boden von einer Kirche, die alle für komplett zerstört gehalten haben. Dieser große Erfolg hat uns noch schneller als Gruppe zusammenwachsen lassen.
 

Wir haben in einer Turnhalle gewohnt, hatten Budgetgeld, um uns Essen zu kaufen und haben in diesen 2 Wochen viel miteinander unternommen. Aus westeuropäischer Sicht ist es immer sehr angenehm, in der Slowakei einkaufen zu gehen, da Lebensmittel billiger sind, als man es hier in Deutschland gewohnt ist. So hat es an Essen nie gemangelt.
 

Der letzte Sommer in Süd-Ost Europa war nur extrem heiß, deshalb hatten wir mit über 40°C am Tag zu kämpfen, dafür war es auch nachts um 1 Uhr sehr angenehm, bei 27°C mit Wein, Bier und Pizza an der Donau lang zu laufen und einfach zu quatschen. Freitags waren wir auch immer Inlineskaten, weil es in Bratislava den ganzen Sommer eine Art Skateaktion gab. Davon hätten wir wohl nichts mitbekommen, wenn uns unsere Campleitung nicht so viele Angebote unterbreitet hätte, welche die Stadt alle so bot.
 

Mit der Zeit sind wir uns so nah gekommen, dass wir nur noch rumalbern konnten. So haben sich schnell Insiderwitze gegeben, die uns durch das ganze Camp begleiteten. Dennoch hat es meinen Horizont stark erweitert, zum Beispiel hatten wir intensive Debatten historischer Art, weil es zwischen den Serbinnen und einer Kroatin massive Spannungen gab. Dies führte sogar soweit, dass die Kroatin den Serbinnen Mitschuld an einem Krieg gab, der schon seit 15 Jahren vorbei ist. Unter dem angesprochenem Krieg, von Milosevic geleitet, leidet die kroatische Bevölkerung immer noch sehr stark. Das sind historische Ereignisse, von denen ich sehr wenig wusste. Als ich damals in so einem Streitgespräch eine Verständnisfrage stellte, wurde mir sofort an den Kopf geworfen: ” der Westen hat sich doch noch nie für uns interessiert”. Das macht einen schon stutzig, denn ich bin nicht “der Westen”, ich komme sogar aus Cottbus…aber auf der anderen Seite kann ich Wut, die da noch in den Köpfen steckt, schon auch verstehen. Jedoch standen solche Diskussionen nicht im Vordergrund der 2 Wochen, aber es hat bei mir schon veranlasst, dass ich mich im Nachhinein zu Hause intensiv mit einem Stück europäischer Geschichte beschäftigt habe…eigentlich finde ich es schon verwunderlich, dass ich in der Schule nie etwas von der Auflösung Jugoslawiens mitbekommen habe.
 

Wir haben in nur 2 Wochen sehr viel von der Stadt gesehen, haben viel gelacht, viel gequatscht und erfolgreich gearbeitet. Der Moment der Verabschiedung fiel natürlich dementsprechend schwer und oft hab ich mir in dieser Zeit gewünscht, dass wir nicht auseinander gehen müssen….das war aber unaufhaltsam.
 

Festzuhalten ist jedoch, dass diese Zeit nicht ganz vorbei ist. Wir sind durch das Internet sehr stark verbunden, sind alle Mitglied bei Facebook und msn, und dass Europa zwischen uns steht, merke ich manchmal gar nicht. Jana, aus Bratislava steht mir dennoch so nahe, wie nur eine Hand voll meiner besten Freunde, mit denen ich täglich zur Schule gehe.
 

Und auch Silvester werde ich mit 3 Leuten aus dem Workcamp in Berlin verbringen.
…Eine verdammt schöne Zeit!!
 
Marij 

Casa Padre Damian Salamanca, Spanien

I„Meine Eltern haben mich nicht erzogen. Das Einzige was sie mir beigebracht haben, ist Kokain abzuwiegen.” Diese Aussage einer 19-jährigen Bewohnerin der Casa Padre Damian in Salamanca war eine von vielen, die mich dazu gebracht haben, mein Bild von Obdachlosen, Dealern und Kriminellen etwas zu überdenken.

Bevor ich in das Zentrum der Caritas kam, hatte ich wenig mit dieser Gruppe von Menschen zu tun und hatte ein recht diffuses Bild von Menschen ohne Zuhause. Gleichzeitig war mir etwas mulmig bei dem Gedanken an das Workcamp, da ich nicht genau wusste worauf ich mich da einlasse. Tatsächlich waren manche der Erfahrungen, die ich dort machte, etwas beängstigend. So war es ein seltsames Gefühl, wenn ein Schizophrener einen die ganze Zeit anstarrt, meist nicht mit einem spricht und in einem anderen Moment wie ein Wasserfall redet. Auch war ich nicht daran gewöhnt, mit jemandem durch die Stadt zu laufen, der mir dann erzählt, dass er eigentlich im Gefängnis ist und nur gerade wegen guter Führung eine Ausgangserlaubnis hat. Da fragt man lieber nicht nach, was er denn verbrochen hat.

So fremd mir diese Welt am Anfang war, so nahe fühlte ich mich vielen dieser Menschen nach zwei Wochen in Salamanca, in denen wir gemeinsam Fußball und Karten spielten, die Stadt erkundeten, aßen, lachten und manchmal auch zusammen schwiegen. Wenn einem jemand sein ganzes Leben erzählt hat, kann man ihn nicht mehr nur als einen schuldigen Kriminellen sehen, sondern merkt, dass eigentlich jeder, wenn er Pech hat, in so eine Situation geraten kann. Wenn ein Kind bereits in eine Familie von Dealern und Alkoholikern hineingeboren wird, ist es schwierig – trotz aller Intelligenz – aus diesem Umfeld herauszukommen. Andere sind plötzlich krank geworden, und ihre Familie hatte nicht die Kraft oder Möglichkeit, sie zu unterstützen. Viele haben auch einfach nur ihren Job verloren und sind dann immer tiefer abgerutscht. Um solche Leute aufzufangen und ihnen wieder ein Leben in Würde und einen Neuanfang zu ermöglichen, sind solche Orte wie das Zentrum der Caritas in Salamanca dringend notwenig.

Die Freiwilligenarbeit gibt einem die Möglichkeit, den Menschen dort das Gefühl zu geben, etwas wert zu sein und ist gleichzeitig sehr bereichernd für einen selbst, da man eine andere Lebenswirklichkeit kennen lernt und offener für andere Lebensformen wird.

Susanne

Castle Hartenberg, Tschechische Republik

Diesen Sommer durfte ich eine besondere Erfahrung machen: Im Rahmen eines Freiwilligenprojekts in Tschechien konnte ich meinen Teil zur Restaurierung des Castle Hartenberg beitragen, und hierbei neue Kontakte zu liebenswerten Menschen knüpfen.

Es waren Freiwillige aus aller Welt gekommen, so dass ein internationales Flair gegeben war: die Teilnehmer kamen aus Serbien, Russland, Kanada, Polen, Ukraine, Frankreich, Südkorea, Tschechien, Spanien und Österreich.

Unser Tagesablauf sah in etwa so aus: um 7:00 morgens standen wir auf, dann ging’s nach dem Frühstück zur Arbeit im nahe gelegenen Schloss, mit Pausen bis 14:00 Uhr. Nach dem gemeinsamen Essen hatten wir frei, manchmal organisierten die Campleader Unternehmungen (so auch am Wochenende), und sonst nutzten wir unsere Zeit in der freien Natur durch Spaziergänge, Sport mit den Einheimischen oder Gespräche. Nicht selten entstanden interessante Diskussionen, bei welchen der eigene Standpunkt fortwährend verändert wurde, da durch die verschiedenen Kulturen zu Beginn viele verschiedene  Sichtweisen bestanden, und man mit Fortlauf des Gesprächs die Ansichten seines Gegenübers mehr und mehr zu verstehen lernte.

Abends musizierten wir auch gemeinsam, zum Glück hatten wir eine Gitarre, das Singen vereinte unsere Gruppe noch mehr und komplettierte das Gemeinschaftsgefühl. Schlafen ging man erst, wenn einem die Augen zufielen :).

Unsere Arbeit bestand darin, das ruinenhafte Schloss schrittweise wieder zu restaurieren. Ich hatte es in einem etwas besseren Zustand erwartet, und hatte anfangs Bedenken, hier in so kurzer Zeit nichts bewirken zu können. Den meisten ging es ebenso, doch uns wurde bald bewusst, dass dieses Denken durch unser heutiges Leben bedingt ist, wo man “alles schnell fertig machen will”. So ließen wir uns auf das Abenteuer ein, Teil der Restaurierung dieses Schlosses zu werden, indem wir eingestürzte Mauern “entfernten”, d.h. Steine schleppten, Schutt sortierten, Ziegel transportierten, Sand siebten und somit die Möglichkeit schufen, auf solidem Grund wieder neue Mauern entstehen zu lassen.

Als Arbeitsmaterialien standen uns Spitzhacke, Schubkarren, Eimer und Schaufeln sowie Arbeitshandschuhe zur Verfügung.

Eine Besonderheit war auch das Mittagessen: jeder der Teilnehmer kochte einmal im Laufe des workcamps für alle anderen, so dass wir in den Genuss kamen, die kulinarischen Eigenheiten der einzelnen Länder kennenzulernen. Improvisation war ob mancher nicht vorhandener Zutaten gefragt :).

Ich würde jedem empfehlen, bei einem Freiwilligenprojekt mitzumachen, da es eine unvergessliche Zeit ist, die einem neue Türen öffnet. Wenn man 2 Wochen jeden Tag nahezu rund um die Uhr gemeinsam verbringt, kennt man sich sehr gut. Ich habe die Menschen dort sehr lieb gewonnen, und wünsche anderen, diese Erfahrung auch machen zu können!

Magdalena

„Show your Talent“

Ich bin die Alice, 19 Jahre alt, und habe direkt nach dem Abitur an dem o.g. Workcamp sowie an dem von der türkischen Organisation „Genctur” angebotenen Pre-Camp teilgenommen. Zuerst habe ich einige sehr spannende Sightseeing-Tage in Istanbul verbracht, wo ich schon einmal die anderen Teilnehmer näher kennenlernen konnte. Dann sind wir gemeinsam mit einem großen Reisebus 24 Stunden lang durch die Türkei gefahren, bis wir an der syrischen Grenze in Mardin ankamen.

Das Jugendzentrum dort wurde von 20 bis 30-jährigen Kurden geleitet, und wir übernachteten in Zimmern einer ehemaligen Knabenschule um die Ecke. Das Workcamp verbrachten wir vormittags mit Englischstunden, die wir immer am Abend vorher vorbereiteten, sowie mit Kunst/Musik/Theater etc. Workshops am Nachmittag. Diese waren alle kostenlos für die Kinder und Jugendlichen aus Mardin, und so hatten wir jeden Tag ein paar neue Gesichter vor uns, aber auch einige, die begeistert jeden Tag teilnahmen, und vor allem ihre neu erworbenen Englischkenntnisse danach an uns erprobten. Verpflegt wurden wir reichlich in der Kantine des Jugendzentrums, das auch gleichzeitig als Restaurant geführt wurde. Meine Campleiterin war eine sehr verantwortungsbewusste Türkin aus Istanbul, und überhaupt war unsere Gruppe sehr ausgeglichen, ich habe mich ausnahmslos mit allen super verstanden.

Wir fuhren einmal an einem Sonntag in ein nahegelegenes, sehr armes Viertel, wo wir gemeinsam mit den einheimischen Freiwilligen eine Schule renovierten (putzen, streichen…). Auch besuchten wir den Gouverneur von Mardin, sowie an unserem freien Tag die steinalten Sehenswürdigkeiten rund um Mardin.

Eindrücke wie diese Schule, welche aus nur einem Klassenraum für alle Altersstufen bestand, perspektivenlose Kinder, die auf die Frage, was sie einmal werden wollen, keine Antwort wissen, oder auch kurdische Gleichaltrige, die das sog. „Kurdenproblem” sowie das radikale Ausleben des Islams sehr kritisch sehen, haben tiefe Eindrücke bei mir hinterlassen. Ich konnte mir durch Gespräche mit den Einheimischen mein ganz eigenes Bild von der Situation der Kurden in der Türkei bzw. in Syrien machen. Ich glaube auch, dass ich seit diesem Workcamp anders auf Türken (bzw. Ausländer allgemein) in Deutschland zugehe und ein großes Stück an Toleranz und Unvoreingenommenheit gelernt habe.

Der Tag der Rückreise fiel mir sehr schwer, ich wäre gern noch länger geblieben. Zu Hause habe ich bestimmt zwei Wochen lang nur türkische und kurdische Musik gehört, mir andauernd türkischen Kaffee gemacht und konnte mich gar nicht von dieser tollen Erfahrung losreißen. Auch habe ich gleich nach weiteren Workcamps gesucht, und werde mit Sicherheit, sobald es mir möglich ist, am nächsten Workcamp teilnehmen. Ich kann ganz frei sagen, dass diese drei Wochen die beste Erfahrung meines Lebens waren!!

UK, Mablethorpe

Am 06. August 2007 wagte ich den Weg von Berlin nach Mablethorpe zu meinem 3-wöchigen Workcamp. Die Reisevorbereitung gestaltete sich ein wenig schwierig, da das Camp etwas abgelegen ist. Nach einer langen Zug- und Busfahrt kam ich schließlich an und wurde sehr freundlich begrüßt und über die Campvorschriften sowie Camppflichten instruiert.

Unser Team bestand aus Leuten aus vielen verschiedenen Ländern. Um nur einige zu nennen: Ungarn, Italien, Frankreich, Tschechien, Slowenien, Finnland etc.. Die Zusammenarbeit war stets harmonisch, nie gab es Stress oder Streit untereinander, und wir lernten alle vom gegenseitigen Kulturenaustausch, was äußerst interessant war.

In England werden Jungen von Mädchen sehr streng getrennt, so dass wir größtenteils nur die Jungen im Alter von 8-11 beaufsichtigten. Nur selten durften Mädchen & Jungen zusammenspielen, etwa am Strand oder unserem Disco-Ausflug 😉 Die Kinder waren sehr anstrengend. Viele waren hyperaktiv oder waren verhaltensgestört. Die Camps liefen i.d.R. eine Woche. Am Anfang der Woche stand Sweets Shopping, damit die Kleinen jeden Morgen mit Süßigkeiten versorgt waren. Eine für deutsche Verhältnisse eher gewöhnungsbedürftige Erziehungsmethode, aber wir wollten den Kindern eine möglichst unvergessliche Ferienwoche in unserem Camp ermöglichen. So gingen wir mit den Kindern in die kleine Stadt und kauften Süßigkeiten. An einem anderen Tag haben wir die Kinder zum sogenannten Gift Shopping begleitet, wo jeder sich selbst oder für die Elternteile eine Kleinigkeit aussuchen durfte. Nachmittags ging es oft zum Strand. Die Kinder konnten sich dort austoben, etwas baden oder einfach Fußball spielen. Zudem veranstalteten wir immer eine Garden Party. Die Kinder hatten in Gruppen einzelne Aufgaben zu lösen und möglichst viele Punkte zu sammeln, damit wir letztendlich einen Gewinner prämieren konnten. Das Highlight in der Woche war der Tagesausflug nach Pleasure Island, einem Vergnügungspark. Alle, ob Kinder oder Activity Leader, wollten dort länger bleiben weil es so ein riesiger Spaß war. Achterbahnen, Karussells und ähnliches ließen dies für alle ein unvergessliches Erlebnis werden. Den Abschluss unserer Campwoche umrahmte unsere Talent-Show. Wir Betreuer spielten den Kindern ein Stück vor, meist Komödien. Wir machten uns oft über uns selbst lustig. Danach konnten die Kinder etwas vortragen, ob Schauspiel, Singen o.ä.

Daneben liefen viele andere Aktivitäten, so dass die Kinder immer beschäftigt waren. Als sich der Aufenthalt dem Ende nahte, schienen alle recht traurig, das Camp und die damit verbundene tolle Zeit hinter sich zu lassen.

Wir waren sehr eingespannt in der Zeit, aber haben trotzdem viel Neues erlebt. Abend gingen wir meistens weg, in das nächst gelegene Pub oder spielten im Camp recht amüsante Spiele. In unseren 2 freien Tagen haben wir uns Lincoln angesehen.
Es waren 3 Wochen voller Action und einer sinnvollen Beschäftigung, da viele dieser Kinder die Zuwendung und Aufmerksamkeit brauchen, die ihnen zu Hause fehlt. Es war eine gute Möglichkeit, England, fernab des touristischen Zentrum Londons, und interessante Leute mit anderen kulturellen Hintergründen kennen zulernen.

Jens 

“In the middle of nowhere”

Nach einem unstressigen luxeriösen Flug bin ich auf dem JFK-Airport in New York C gelandet. Von dort aus ging es mit dem subway zur Grand Central Station, von welcher ich eine ca. vier stündige Zugfahrt durch die schöne Pampa der USA erleben durfte. Nach kurzer Wartezeit wurde ich anschließend freundlich von Nick, welcher mit seiner Frau Andrea und zwei Söhnen das Camp betreibt, freundlich empfangen. Vom Bahnhof zum Camp fuhren wir noch ca. eine Stunde mit dem Auto.
 
Das Camp liegt idyllisch in Great Barrington, MA (Staatengrenze New York/Massachusetts/Connecticut) “in the middle of nowhere”. Great Barrington selbst hat ca. 5000 Einwohner und ist eine typisch amerikanische Kleinstadt. Die Farm selbst, beziehungsweise das Camp, war ein größeres altes Holzhexenhäuschen im amerikanischen Baustil der 50er Jahre mit Hühnern, Pferden, Schweinen. In dieser Umgebung lebten ca. 20 Behinderte (zum Großteil Autisten). Neben mir gab es noch vier deutsche und zwei japanische Campteilnehmer, außerdem gab es Randolph, der dort freiwillig schon über Jahre wohnte und arbeitete.
 
Jeder von uns hatte Behinderte zu betreuen, die er waschen, anziehen und ihnen bei allem, was ein Mensch so braucht um zu leben, behilflich sein musste.
 
Ich hatte zwei “guys”, Tylor und David. Mein Tag sah wie folgt aus: Angefangen hat er meist gegen 6.30 Uhr. Nachdem ich mich aus dem Bett gekämpft hatte, habe ich die zwei Jungs geweckt, unter die Dusche gestellt, Zähne geputzt, angezogen und dann mehr oder weniger pünktlich um 8 Uhr zum Frühstück gebracht (irgendwie waren meine immer die letzten). Nach dem Frühstück sind die Bewohner fröhlich im riesigen Garten oder im Haus herumgetollt, während wir den Abwasch erledigten.
 
Dann hatte immer einer von uns die glorreiche Aufgabe, das Mittagessen zuzubereiten. Danach wieder der Abwasch. Zwischen Mittag und Abendessen sind wir dann entweder zum nahegelegenen See oder Fluss gefahren, sind spazieren gegangen oder haben einen Film geschaut. Abendessen gab’s dann entweder noch am See/Fluss oder daheim (natürlich draußen, da es immer schön warm war). Danach wieder der Abwasch. Dann war es an der Zeit, alle oder einen nach dem anderen (je nachdem, wie wir sie überreden konnten) ins Bett zu bringen. Wenn endlich alle im Bett waren, haben wir noch den Tisch gedeckt und ein paar Dinge für den nächsten Morgen vorbereitet und hatten dann ca. um 21.00 Uhr noch ein bisschen Zeit, ein paar Bierchen zu trinken. Das ging dann sechs Tage die Woche so, der siebte war frei. An seinem freien Tag konnte man dann ein Auto ausleihen und ein bisschen durch die Landschaft fahren (ich war unter anderem in Boston). Nach wunderschönen drei Wochen habe ich dann das Camp schweren Herzens verlassen, um noch ein paar Tage die USA mit dem Rucksack zu erkunden. Alles in allem muss ich sagen, dass es zwar kein Pappenstiel war, aber dafür war es eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die Arbeit mit Menschen war zwar gewöhnungsbedürftig, aber da man dort praktisch alles alleine machen und lernen musste, gewöhnte man sich recht schnell daran (learning by doing). Die Besitzer von dem Laden waren zwischen 50 und 60 und sehr eigen und gewöhnungsbedürftig, aber nach einiger Zeit echt spitzenklasse.
 
Jedem, der sich überlegt, in dieses Workcamp zu gehen, empfehle ich es zu tun. Vorausgesetzt: Man sieht die Dinge nicht so eng, macht sich auch gerne mal die Hände schmutzig und braucht nicht unbedingt Anleitung, wie man irgendetwas macht. Wenn man sich damit arrangieren kann, wird es sicher ein Heidenspaß!!
 
Viel Spaß beim nächsten Camp und bis dahin einen schönen Winterschlaf 🙂
 
Christoph

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